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oder: die unleugbaren Vorteile eines Scrollbalkens ;-)

Altenautal Zwischen einer natürlichen Linie von der Asse und dem Heeseberg im Süden und dem Elm im Norden erstreckt sich eine nahezu waldlose Ackerflur, die “Schöppenstedter Mulde”. Ihre Längsausdehnung beträgt etwa 25 km. Die Oberflächenform dieser Mulde ist durch die von den Elmbergen herabstreichenden Keuperschichten geprägt. Diese Landschaft ist nicht nur interessant für den, der sich mit der Geologie, der Geographie oder der Flora und Fauna beschäftigt, sondern auch lehrreich für alle diejenigen, die sich mit der Geschichte dieses Gebietes befassen.
          Der gesamte Muldenkern wird von einer 0,50 m bis 2,0 m mächtigen Lössdecke - vorherrschend Lösslehm - überzogen. Es liegen hier reine Schwarzerdeböden vor, sehr gute Ackerböden mit großer Fruchtbarkeit. Dies haben die Menschen früh erkannt und sich  hier niedergelassen. Ihre Spuren lassen sich an vielen Flurstellen bis in die Steinzeit nachweisen. Nach den archäologischen Funden und den urkundlichen Überlieferungen kann man erkennen, dass hier früher mehrere Ortschaften bestanden haben. So konnten noch 18 wüste (verlassene) Orte nachgewiesen werden. Bedeutungsvoll ist weiterhin, dass die Wasserscheide zwischen Weser und Elbe die Mulde zwischen Schöppenstedt und Watzum durchquert. Die Wabe entspringt im Reitlingstal und entwässert den Nordteil des Elmes. Im südlicher gelegenen mittleren Muldenteil vereinigt die Altenau eine Reihe von kleineren Elmbächen (
von rechts: Sauerbach, Hachumerbach, Glue Riede; von links: Rothebach) und durchzieht die Mulde als regulierter, verhältnismäßig geradliniger Bach. Die nördliche Begrenzung ist der Elm, der größte und höchste Sattel dieses Gebietes (Kuxberg 322 m. Drachenberg 313 m und der Burgberg 311 m) - geologisch gesehen eine Aufwölbung von Trias-Schichten.
          Die Altenau (“Fluss in der Aue”, auch “die Altona” oder “die Nette”/Nasse genannt) fließt in dieser Mulde in einem etwa 500 m breiten Wiesental in Ost-West-Richtung. Sie entspringt bei Eitzum (
Zu den Quellen) und mündet südöstlich von Halchter in die Oker. Während man allgemein annimmt, dass regulierte Bachläufe erst nach der Separation (der Flurbereinngung im späten 19. Jahrhundert) entstanden sind, geschah dies hier bereits im 16. Jahrhundert. Herzog Julius holte den niederländischen Wasserbaumeister de Raet und verpflichtete ihn, die Oker auszubauen, die Altenau und die Wabe zu regulieren, um sie mit Flößen befahren zu können. In einer Karte aus dem “Instrumentenbuch” des Herzogs von 1573 sind die “Schleifkünste” eingezeichnet, mit denen es gelang, Steine vom Ösel herab zur “Nette” zu ziehen, von wo aus sie auf dem Wasserweg mit Hilfe eines Systems aus Stauwehren mittels Schwallwassers in die Oker und von dort bis nach Wolfenbüttel gelangten.  Eine Nachricht von 1577 besagt, dass die Durchführung sehr schwierig sei - es fehle am Gelde - Facharbeiter müssten aus den Niederlanden herangezogen werden. Nur einiges sei bisher geschaffen, so sei die Altenau auf einer Länge von 12 km begradigt, deren Flußbett auf 30 m verbreitert (?), in welchem Flöße mit Holz und Kalk aus dem Elme zur Oker gelangen könnten”. Ein Stauwehr bei Dettum sorge für die erforderliche Wassertiefe. Eine Fortsetzung dieser Arbeiten sollte 1590 unter Herzog Heinrich Julius, einem Sohn von Herzogs Julius, erfolgen. 1601 wurde jedoch nur eine Verbesserung des Schiffahrtskanales vorgenommen. Zu der eigentlich notwendigen Umgehung der längst betriebene Schöppenstedter Wassermühlen ist es offensichtlich nie gekommen (siehe Box 1 zur “Freiflut” weiter unten).
          Aber nicht nur für die Fluss-Schifffahrt war diese Schöppenstedter Mulde interessant. Seit etwa 1400 bestand bereits westlich von Wolfenbüttel eine alte ausgebaute Handelsstraße von Hildesheim, die von da an in zwei Richtungen ostwärts fortgeführt werden sollte. Die südlichere lief über die nördlichen Uferhöhen der Altenau an Wendessen, Ahlum, Dettum, Eilum und Bansleben vorbei. Im Zusammenhang mit dieser Straße, oder besser einer Vorgängerin, sind sicherlich auch die mittelalterlichen Burgen Weferlingen und Bansleben entstanden. Als man 1842 die Eisenbahn von Wolfenbüttel nach Oschersleben (53 km lang) plante, entschloß man sich bei der Streckenführung wiederum für das Tal der Altenau. Die Gleisstrecke folgte den Muldentiefen zwischen Elm und Asse.

         In einem Gebiet so verbreiteter Ackerbauwirtschaft entwickelten sich sehr schnell die Mühlenbetriebe, die als Wassermühlen seit dem 12, Jahrhundert urkundlich genannt werden. Betrachten wir diese in der Reihenfolge von der Quelle im Elm an (die Hauptquelle wird “der Weinkeller” genannt und liegt an der heutigen “Schöninger Hütte”) bis zu ihrer Mündung in die Oker. In Eitzum bestanden drei Privatmühlen (1-3) und eine Ölmühle, jede mit einem Gang und mit überschlächtigem Wasserrade. Ihrer Lage entsprechend wurden sie mit “Obermühle", mit “Mittelmühle” und mit “Untermühle" benannt. Ihr genaues Alter festzustellen ist schwer. Die Obermühle wird erstmalig 1344 erwähnt, wonach sie ein Lehen an die von Weferling war. 1425 verkauften diese die Anlage samt seiner Hufe an das Kreuzkloster Braunschweig. In der “Beschreibung des Dorfes Eizum" von 1778, gefertiget von Johann Julius Chr. Schmidt, steht, dass diese Mühle mit einem Kotsassenhofe zusammenhängt, den damals Johann Heinrich Arneke besaß. Von der Mittelmühle finden sich ebenfalls einige urkundliche Erwähnungen:1400 herzogliches Lehen an von Bortfeld, 1665 war sie den von Hoym zinspflichtig, 1771 herzogliches Lehen an von Cramm, 1778 saß hier Andreas Camp und 1865 Heinrich Matthias Andreas Quidde. Die Untermühle wird 1318 genannt, als das Stift Marienberg einen zwischen hiesigen Einwohnern geschlossenen Kaufvertrag genehmigte; 1430 verkaufte es eine Rente aus der Mühle, die zinspflichtig war; 1778 wird der Müller Johann Heinrich Lüders genannt und 1802 Christian Krökel. Jeder der Müller hatte nach der angeführten Beschreibung jährlich einen Mühlenschatz zu zahlen und muß auch noch herrschaftliche Jagdhunde ausfuttern, jedoch seit einigen Jahren her damit verschonet werden". Daneben bestand noch eine Ölmühle, die etwa 1750 eingerichtet sein soll. 1778 war hier der Ölmüller Jacob Meyer tätig, der an Öl-Mühlenschatz 12 ggr zahlen mußte.

Küblingen Waldmühle

Küblingen Angersteinscher Hof (fälschlich: Obermühle)


         Östlich von Küblingen am Weg zum Stadtwald “Burgthal" steht noch das Gebäude der Waldmühle (4). Diese wurde um 1400 nach Küblingen eingepfarrt und lange als “Walkenmühle” betrieben. In ihr wurden Papier und Lumpen gekocht, zerkleinert, gestampft und durchgewalkt. Der daraus entstandene Brei wurde zu Papier verarbeitet. Die Anlage wurde später als Ölmühle durch das Gut Kübligen und schließlich als Mahlmühle betrieben. Zum Antrieb wurde ein von der Altenau abzweigender Mühlengraben angelegt. Erst später erhielt die Walkenmühle ihren wohlklingenden Namen "Waldmühle", die nach 1900 das Schankrecht erhielt und auch Badezellen betrieb. Das hier stattgefundene bunte Treiben wird von JMewes eindrucksvoll geschildert.Eine spätere Umwidmung zur “Feilenhauerei” konnte abgewendet werden.

       In Küblingen selbst gab es ,,zwey Mahl-Mühlen". Die erste, allgemein “Obermühle" (5) genannt, gehörte als Mühlenhof zum Adel. ”Gute Privative", hatte zwei Gänge, und war auf dem 12. Kothofe (neben der Marienkirche) am heute nicht mehr vorhandenen Mühlenbach gelegen. Sie wird zwischen 1489 und 1778 in Urkunden des Stiftes Marienberg genannt und gehörte später zum Gutshof derer von Streithorst in Küblingen. Das Gebäude brannte im August 2003 aus und musste aufgegeben werden. Die zweite, die sog. ”Untermühle" (6; oft auch ”Niedere Mühle"), “mit einem Wasserrade lieget 1778 auf dem 13. Kothofe Matthias Müller erblich", ebenfalls am Mühlenbach hinter der Altenau. Im 14. Jahrhundert war sie herzogliches Lehen an die von Ampleben, 1392 Lehen derer von Veltheim an von Warle, 1427 - 1565 herzogliches Lehen an Schöppenstedt. 1954 existierten die beiden Küblinger Mühlen noch; sie wurden von Brüdern (Untermühle, am Mühlenweg 5) und Biermann (Obermühle) betrieben.
          Da wir von Osten nach Westen vorangeschritten sind, wird es höchste Zeit, die am Sauerbach gelegenen Mühlen nachzutragen. Der Sauerbach entspringt einer Quelle nördlich von Sambleben, wo es wohl zwei Wassermühlen
(7,8) gab. H. Kleinau führt noch eine dritte Mühle an, die ”Schwarze Mühle" (1754 - 1856), doch mag dies eine Windmühle gewesen sein. Die oberschlächtige Mühle mit einem Gang besaß der adelige Hof. In der Dorf-Beschreibung wird gesagt “wovon das Gebäude von Holz aufgeführet, mit Ziegeln gedecket und in dem Brandversicherungs-Catastro Sub Nr. 13 mit den neben Gebäuden zu 400 . . . angeschlagen ist". Femer gehört zu der Mühle noch „eine Hofstelle mit Gebäude 35 Ruthen, ein Garten am Hauß 2 Morgen 22 Ruthen, an Länderei 9 Morgen 30 Ruthen, an Wiesen 72 Ruthen, an Holtzung ein von dem Adel. Hofe bestimmtes Quantum von 2 Klafter Holtz und Wasen".  Die zweite Mahlmühle, auch oberschlächtig und mit einem Gang nebst einem Ölschlag, wird in Zusammenhang mit dem Müller Anton Mülter genannt. Sie soll in der Feldmark am Schöppenstedter Wege gelegen haben. In ihren räumlichen Ausmaßen unterschied sie sich wesentlich von der erstgenannten, größeren Mühle. 
 

Schöppenstedt Twelkenmühle am Kneitlinger Bach


         Vor Schöppenstedt finden wir die “Twelkenmühle(9/R7) im ehemaligen Ort Twelken am Sauerbach. Sie besaß einen Gang und ein oberschlächtiges Rad von 11 Fuß. 1320 wurde sie vom Bonifatius-Stift in Halberstadt an die Katharinenkirche in Braunschweig verkauft, 1760 gehörte sie dem Kloster Riddagshausen und schließlich zum Gut Sambleben. 1865 war der Pächter Carl Wighardt. 1948 wurde die Mühle zu Wohnungen umgebaut (Besitzerin: Luise Lehmann), danach war in ihr die Firma Schroers, Gummiwerk, untergebracht. Heute wird sie mit beträchtlichem Aufwand vom Lehrerehepaar Lumbertus instandgehalten. Darauf folgt die Feldmühle (10/R8), so genannt, weil sie am Feldmühlenkamp am Sauerbache vor dem Twelkentore lag. Sie gehörte 1760 dem Kloster Marienberg und wurde von demselben verpachtet. Sie hatte, ein oberschlächtiges Rad von 15 Fuß Höhe und einen Wassergang. Seit 1919 war die Feldmühle im Besitz der Familie von Gustav Viedt aus Alvesse, nach dessen Tod 1953 lag sie kurzfristig still, bevor sie vom Küblinger Müllermeister Paul Behnke (dem Pächter der Biermannschen Mühle/Obermühle Küblingen) übernommen wurde.

Schöppenstedt Feldmühle

         Über die weiteren Wassermühlen von Schöppenstedt bestehen einige Ungereimtheiten, da es Ungenauigkeiten in der zeitlichen Angabe, und auch in der Benennung gibt. In der “Stadt- Beschreibung von Schöppenstedt, 1760"  werden  vier Wassermühlen  genannt, darunter die bereits abgehandelte Twelken- und die Feldmühle. Die beiden anderen Mühlen liegen in der Stadt selbst, die ersteoben beim Einfluß der Altenau in die Stadt, die, welche Levin Zänkern Erb und eigenthümlich zugehöret”.  Dies war die schon 1399 als “Mühle im Ostendorpe” erwähnte, spätere Obermühle (11/R10).

BOX 1: Die Freiflut

Mühlengraben zur
C. Gebra, Braunschweiger Nachrichten, 10. Mai 1934: die dünnfließende Altenau hat für den Verkehr keine  Bedeutung. Und doch gab sich einst im Jahre 1578 Herzog Julius die größte Mühe, in Ausführung seiner weit angelegten Kanalisationspläne die Altenau auf anderthalb Meilen soweit instand zu setzen, daß Flöße mit 30 bis 40 Fudern Steine, Holz, Kalk usw. vom Elm und der Asse darauf bequem in die Oker kommen konnte."
In diesem Zusammenhang tauchte vorübergehend der Plan auf, die Obere Mühle in das Wohnhaus des Müllers südlich gegenüber zu verlegen und einen Mühlengraben um dieses Grundstück (Nr. 13/ass. 49) zu ziehen.

Da der Ort, in einer Mulde gelegen, im frühen 18. Jahrhundert noch bis zu zwei Meter tiefer lag und bei starkem Niederschlag regelmäßig überflutet wurde, waren die Bewohner daran interessiert, die Wassermassen um die Stadt herumzuleiten. Diese Pläne wurden, ab 1750 mit der künstlich angelegten "Freiflut", vermutlich im herzoglichen Auftrag, realisiert. Nur für den Mühlen-, Badestuben, Färber- und Weberbetrieb wurde ein Rinnsal belassen. Das hierfür ausgehobene Erdreich bildete den nördlichen Schutzwall entlang der heutigen "Wallpforte". Dennoch wird bis ins 18. Jahrhundert hinein immer wieder von starken Überschwemmungen berichtet. Und nicht nur das: diese Seiten enthalten unter http://cugelinge.de und ganz am Ende dieser Seite Dokumente der fatalen Überschwemmung im Juli 2002. Über die Freiflut führte am Stobentor eine steinerne Rundbogenbrücke, die schon um 1750durch die Stadtaufchüttungim Erdreich versenkt wurde und sich heute unter dem Blumengeschäft Isensee befindet (Box 2). Auf der Höhe der Oberen Mühle wurde ein Quergraben (in der Karte dunkeblau eingezeichnet) angelegt, der die Altenau nochmals mit der Freiflut verband. Die Regelung des hier abgeleiteten Wassers war verständlicherweise ein strittiger Punkt zwischen "Ober- und Untermüller".

         Das große oberschlächtige Mühlrad befand sich in einer “Radstube” im Inneren des Hauses; der Wasserstand konnte über einen quer zur Altenau und der “Freiflut” fließenden  Quergraben (heutiger Fußweg, R11) reguliert werden. 1626 brannte die Mühle ab und wurde erst nach zehn Jahren wieder errichtet. 1655 gehörte sie einem Joachim Müller. Übergegangen an Müller Christian Zencker errichtete dieser sie neu. Eine verdeckte Inschrift am westlichen Sockel besagt “1804 ”. Bei der Planung, die Altenau (wie angeblich schon 100 bis 200 Jahre zuvor, siehe oben) für Flöße und Lastkähne zum Transport der Elmkalksteine und landwirtschaftlichen Güter nutzbar zu machen, tauchte 1750 der Plan auf, die Obere Mühle in das Wohnhaus des Müllers Nr. 13 zu verlegen und einen Mühlengraben zum Antrieb um dieses Grundstück herumzuleiten. 1937 ging das Gebäude an die Stadt über. Das Mühlenhaus wurde 1947 als Wohnhaus überbaut, so dass die Altenau seitdem in einem Unterstraßen-Kanal fließt (Abb. rechts). Bis 1949 war sie in Betrieb. Später diente sie zeitweise als Obdachlosenunterkunft und war marode. Ihr durch die SPD 1978 bereits beschlossener Abriss konnte noch rechtzeitig abgewendet werden. Rund 100 Meter vor der Obermühle zweigt ein Graben, die Freiflut mit dem noch existenten Wehr, von der Altenau ab. 1653 wird hier das letzte Haus (Nr. 30 Ass 37) erwähnt, bewohnt durch „Torschließer Hans Schmidt am Küblinger Tore“ (R12).
           Eine zweite Mahlmühle, die
“Unter-Mühle” (12/R13),  lag unten beim Ausfluß der Altenau aus der Stadt im Westendorf am Stobentor”. Diese war 1357 durch Herzog Magnus aus Braunschweig übertragen worden.Diese, die, welche Matthias Arnecken Erb und eigenthümlich zustehet genannt die Unter-Mühle mit separatem Rad-Anbau”. Beide Mühlen hatten oberschlächtige Räder, die obere etwa 9 Fuß hoch, die untere 11 Fuß hoch, beide jedoch nur einen Gang. Es wird über häufige Streitigkeiten zwischen den Müllern Zänker (nomen est omen?) und Arnecke berichtet, da freier Fluss an der obere Mühle Überschwemmung in der unteren bedeuten konnte und Stau an der unteren ähnliches in der oberen Mühle bewirkte. Leider mussten die Reste der Untermühle den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts  den Stadtplanungen weichen. Wenige Meter weiter stromabwärts wurde und wird die Freiflut am Stobentore, unter einer Brücke hindurch, der eigentlichen Altenau zugeleitet (Bilder rechts und unten). Diese später zur Straße hin erweiterte Rundbogenbrücke war durch die Stadtaufschüttung um 1750 im Erdreich versenkt worden.

Zum Verständnis: das Niveau des Ortes lag ursprünglich etwa zwei Meter tiefer als heute. Die Aufschüttung im Stadtgebiet erfolgte bei der Beseitigung der Brandschäden des großen Brandes von 1743 und der Planierung des Walles. Die Brückenreste befinden sich jetzt jetzt unter dem Blumengeschäft Isensee. Da sie durch zunehmende Belastung einzustürzen drohten, wurden sie im Oktober 2004 durch eine Rundbogenstahlbrücke ersetzt. Deutlich war das Niveau der Zeit vor der Aufschüttung anhand von Gefäßscherben und Glasresten des Mittelalters auszumachen.

          

BOX 2: Brücke Stobenstraße
Schöppenstedt Untermühle

Nach dem großen Stadtbrand von 1743 richten “Scheppenstedter” Abgeordnete an den hier wohnenden, von Herzog Carl I. eingesetzten Stadtplaner, Kommisionsrat von Funcke, ein Bittschreiben, gegenüber dem Kreuzhof, vor dem “Stubenthor” eine Brücke zu errichten. Die Auf- und Einfahrt in den Ort sei schon seit Jahren in schlechtem Zustand , so “dass man sich nicht getrauet mit leeren Wagens mehr durchzukommen”. Zu den Maßen heißt es “....soll seyn mit vier Flügeln, zwölf Fuß breit und 20 Fuß lang, drei Fuß in der Erde, sieben Fuß über der Erde und zehn Fuß hoch.....der Damm vor und hinter der Brücke sey anzulegen“ (die Brücke musste dem ehemaligen Stadtwall angepasst werden. Das Vorhaben wird durch den Herzog in einem Schreiben vom genehmigt. Kosten: 146 Taler. Ende 2004 mussten 150000 € investiert werden, um die  Brücke über die Altenau wegen Baufälligkeit durch eine Stahlkonstruktion zu ersetzen.

Im Osten der Stadt geteilt, treffen die Altenauarme (Altenau und “Freflut”) an dieser Stelle wieder zusammen. Die Häuser (um 1930) befanden sich hinter dem Stobentor zur Neuen Straße. Die “eigentliche” Altenau hat hier bereits die Mühlen Jasperstraße und Stobenstraße gespeist.  Das Haus zur rechten (ehemals Reifen Pritsche) wurde abgerissen - hier führt heute die (verbreiterte) Stobenstraße entlang. Die untere Mühle selbst ist hier nicht zu sehen: sie befand sich jenseits dieser Häuserzeile auf dem heutigen Bismarckplatz. Gemälde: Fischer, freundlicherweise zur Verfügung gestellt und erklärt von Herrn Isensee. Das Bild entstand nach einem Foto, auf dem eben dieser Gerhard Isensee mit einem Freund auf der Brücke zu sehen ist.

 

          Im nächsten Ort Bansleben an der Altenau hat es wohl nur eine Wassermühle 500 Meter südlich des Dorfes an einem Mühlenbach, kurz vor der Vereinigung mit dem Sauerbach,  gegeben (13). Bis zum dreißigjährigen Krieg, der das Ende der Ansiedlung “Neindorfer Berg” südwestlich Schöppenstedts bedeutete, war Bansleben extern versorgt worden. In der Dorfbeschreibung von 1752  heißt es dann:Die Wassermühle, welche auf der Banslebenschen Feldmark an der Altenau belegen, wird die Kuckucksmühle genannt  und gehört Lohmann's Erben und geben davon an fürstl. Kammer einen Grund- und Mühlenzins, dazu jährlich Mühlenschatz. Wenn Gänse vorhanden, müssen sie eine Zehntgans entrichten". Über die Mühlengeschlechter ist bekannt, dass 1792 der Müller Sylvester Pfeifer in Bansleben die Henriette Catharina Böttcher aus Schöppenstedt heiratete. Wahrscheinlich verlassen diese aber sehr bald die Mühle, denn 1796 wird Johann Heinrich Ziegenbein aus Ölper und dessen Frau Marie Elisabeth Lohdahl aus Berklingen genannt. Von ihren fünf Kindern übernimmt ein Sohn, Johann Heinrich Matthias Ziegenbein, die Mühle. 1854 heiratete er Marie Elisabeth Henriette Meyer aus Ampleben. Beide hatten sechs Kinder. 1890 wurde auf das Fundament ein neues Fachwerkhaus mit Walmdach gesetzt, doch verrät noch heute eine Inschrift von 1796 den damaligen Besitzer. Eine Tochter, Friederike Johanne Henriette Dorothee, blieb in der Mühle bis zu ihrem Tode 1929. 1969 wurde die altehrwürdige Kuckucksmühle zu einer Hotel-Pension, dann zur Ausflugsstätte und nun (in Umkehrung des Konzeptes) zum Jugendheim umgestaltet.


          Im Dorfe Weferlingen war eine oberschlächtige Wassermühle mit zwei Gängen, welche von dem aus der Altenau gespeisten Mühlengraben betrieben wurde (14); 1754 gehörte die Anlage Johann Christian Quitte, Inhaber von zwei Kothöfen. Auch muß derselbe gedachten Mühlengraben von Anfang bis zu Ende der Weferlinger Feldmark auf seine Kosten ausbringen lassen". 1249 setzte Herzog Otto einen seiner Liten aus Offleben auf die herzogliche Mühle um. 1268 erhielt das Braunschweiger Kreuzkloster hier eine Hufe und eine Mühle von den Grafen Wohldenberg; 1318 war die Mühle herzogliches Lehen und kam an die von der Asseburg, wurde aber 1331 mit ihrem Lehen an das Kreuzkloster verkauft. 1630 bestand diese dem Kloster gehörende Mühle noch. 1802 wurde sie als “oberschlächtig” bezeichnet und gehörte dem Ackermann Herbst. 1865 wird als Pächter Wilhelm Wecke genannt, später Fliege, dann Mittendorf, der hier 56 Jahre lang gelebt haben soll. Seit 1928 war sie im Besitze von Willi Kasten. Infolge Wassermangels wurde sie 1939 stillgelegt.

 

BOX 3: Wendesser Wehr
Wendesser Wehr

Wassermühlen: Romantischer Winkel am Wendesser Wehr
Dicht bewachsen sind die Ufer der Altenau an der früheren Wassermühle in Wendessen. Der Kraftstrombeirieb hat der Mühlenromantik ein Ende bereitet. Von dem ehemaligen Mühlengraben - auf der Zeichnung erkennt man noch den Anfang - ist nichts mehr geblieben, man hat ihn eingeebnet. Die Stauanlage (links) ist jetzt immer hochgezogen, so daß die Altenau an der Mühle kein Hindernis mehr hat. Wenn die Sonne durch das grüne Blätterdach bricht und das Wasser ruhig dahinzieht, möchte man an diesem Platz träumen von den alten Mühlenrädern und der Vergangenheit um dieses Haus 

Wolfenbüttler Anzeiger vom 07.06.1952;   Zeichnung: W. Krieg

         

         Auf halbem Wege zwischen Wolfenbüttel und dem Fuße der Asse liegt an der heute noch lustig plätschernden Altenau das Dorf Wendessen. Die Lage der Wassermühle war 1 km östlich vom Dorf (heute: “Am Gute 2”, ca. 150 m westlich von der Hausnmmer 3A am eigentlichen Gutshof). 1213 gaben die Herzöge von Braunschweig das Patronat von dieser an die Kirche von Scheverlingenburg und dotierten es mit 20 Hufen. 1218 kam dieses Patronat an das Blasius-Stift zu Braunschweig. Bemerkenswerterweise wird die Mühle im Dokument nicht erwähnt, jedoch war der Müller von 1359 - 1450 dem Blasius-Stift noch zinspflichtig. Zwischen 1754 und 1795, sowie wieder um 1800, gehörte die Mühle zum Rittergut Wendessen. Die Mahlmühle selbst wird erst 1819 durch Velguth im Geogr.- Topogr.- Stat. Abriß d. Herzogth. Br. erwähnt. 1932 war sie im Besitz des Müllers Grüne und noch 1965 in dem des Friedrich Hoffmeister. Auf der Charte des Dorfes Wendessen mit der dazu gehörigen Feldmark wie solches Amts 1750 vermessen von Hermann Adolph Borden" ist die Mühle eingetragen. Heute steht hier noch ein älteres Fachwerk-Mühlengebäude mit verschiedenen Schuppen und Stallungen. Es gehört zum Rittergut Wendessen und ist für Wohnzwecke hergerichtet. Wenn auch der Lauf der Altenau umgeleitet ist, so gibt diese Anlage doch Hinweise auf das ehemalige Aussehen der Wassermühle. Eine letzte Wassermühle mit einem oberschlächtigen Rad von 10 Fuß Höhe lag abwärts des Dorfes Groß Denkte am Osterbach, etwas abseits vom eigentlichen Altenaugebiet. Sie gehörte dem Kotsassen Andreas Bracken. Urkundlich wird die Mühle als herzogliche Wassermühle angeführt (1630).
          Bedauerlich, dass heute in der Schöppenstedter Mulde die Wassermühlen fehlen. Sie sind auch kaum zu rekonstruieren, da das Flussbett in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts auch im letzten Abschnitt, der Stobenstraße unter die Straßendecke gelegt (“verrohrt”) wurde. So günstig einst die Schöppenstedter Mulde im Netze der frühen Straßenzüge der reichen Ackerbau- Siedlungen mit ihren ersten wirtschaftlichen Entwicklungen lag, so ruhig ist es dort heute geworden.
In Anlehnung an Hans Adolf Schultz, Jahrbuch des Landkreises Wolfenbüttel


Die Altenau heute Solange die Altenau noch frei durch Schöppenstedt floss, wurde der Uferraum zum Betrieb von Mühlen und zur Erholung genutzt. Der Eindruck wurde durch die Altenau und die darumliegenden Fachwerkhäuser geprägt. Heute ist die Altenau im Gebiet von Schöppenstedt leider kaum noch sichtbar; nur noch der zweite, im Randbereich der Stadt befindliche Hauptarm fließt oberirdisch. Der Nebenarm der Altenau entlang des Marktplatzes wurde ab der Obermühle zu Beginn des 20. Jahrhunderts verrohrt. Diese Rohre befinden sich unter dem Mittelstreifen der Straße.
           Die einzelnen Abschnitte der Altenau wurden von Teilnehmern des Studienganges "Landschaftsplanung" (TU Berlin) 1999/2000 bewertet. Je nach Grad der Naturnähe wurden Punkte verliehen. Der Minimalwert liegt bei einem Punkt für den naturfernsten Zustand, der Maximalwert beträgt fünf Punkte für eine relative Naturnähe.
Vegetation

Abschnitt              Punkte
I   Naturfreundehaus         4
II  Furt                     4
III Wassermühle              3
IV  Neues Gewerbegebiet      3
V   Kuckucksmühle            
4
V   Vor Einmündung
   Breite Beek              3
VI  Zuckerfabrik Dettum      3
VII Wendesser Mühle         
4
VIIIPegel Wendessen          3
IX  Donnerburgbrücke (WF)    2

Der Arbeitskreis stellt fest: “Eine Verbesserung des Fließverhaltens ist eng mit der Verbesserung geomorphologischer Strukturen verbunden. Maßnahmen, die den natürlichen Verlauf der Altenau aufwerten, würden zu einem entsprechendem Fließverhalten führen. Nur durch die Möglichkeit der Ausbildung von Auskolkungen und Mäander könnten die Altenau wieder unterschiedliche Fließgeschwindigkeiten im Verlauf und in Teilbereichen aufweisen. Dies hätte eine positive Auswirkung auf die Sauerstoffbilanz im Gewässer und würde zu einer Neuansiedlung an Fließ- und Stillzonen angepasster Arten führen”.

Neue Ansätze (?): Am 28.06. 2002 berichtet die Wolfenbüttler Zeitung: Von der Mündung im Elm bis zur Gemarkungsgrenze Denkte konnte der ´Wasserverband mittlere Oker´ mit Unterstützung des Landschaftspflegeverbandes (LPV) für mehrere Jahrzehnte 10 m breite Randstreifen anpachten, die künftig nicht mehr bewirtschaftet, wohl aber gepflegt werden. Auf diese Weise wird für die Altenau eine Umgebung geschaffen, die dem teils geradlinig dahinfließenden Gewässer eine selbständige Renaturierung ermöglicht. Zur Neugestaltung gehört auch  die Neuanlage einer Streuobstwiese: 45 Bäume mit alten Obstsorten bilden die “Denkter Obstallee”. Dieses Projekt gehört zu den Ausgleichsmaßnahmen für die Autobahnbauten und die “Weddeler Schleife” der Bahn

Küblingen: Hochwasser

Wer sagt hier “nicht schiffbar ”? Unsere Altenau am 18. Juli 2002!

.   

Quellgebiet Eitzum

R1 Eitzum: Quellgebiet

Schöninger Hütte

R2^ Eitzum: Naturfreundehaus (Schöninger Hütte) V

Naturfreundehaus

Altenau Küblingen

Altenau Küblingen

R3/4^Küblingen (I-II)v

Waldmühle 04.01.2009

R5 Mühlenweg Küblingen

R6 Untere, auch “Brüdernsche” Mühle, Küblingen

Schöppenstedt Twelkenmühle

R7 Schöppenstedt: Twelkenmühle

R8 Feldmühle Schöppenstedt um 1900 (L. Führmann 1989)

Schöppenstedt: Obermühle

R9 Schöppenstedter Obermühle: Wasserlauf

Schöppenstedt Obermühle

R10 Schöppenstedt: Obermühle um 1900 (L. Führmann 1992)

R11 Hier verlief er: der Mühlengraben/Quergraben zur Obermühle

R12 Torschließerhaus am Küblinger Tor

R13 Schöppenstedt: Untermühle (E. Plümecke 2003)

R14/15 ^ Verbindung Freilauf-Altenau unter Haus Isensee damals und 2004 v

Oktober 2004

Bilderbogen Wendesser Mühle (2008/09) V

R8, R10 und R13 wurden für diesen Zweck von Elektromeister Arendts (Schöppenstedt) zur Verfügung gestellt. Vielen Dank im Namen aller Besucher!

soeben eröffnet!

Harz-Gebiet                         http://Elm-Asse-Kultur.de                         Sachsen-Anhalt

juergenbode@t-online.de

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