Fürstentum BS-Wolfenbüttel

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KARTEN   1378 1477 1547 1648 1786 1812 1866   ANIMATION

 

 

Das Herzogtum ist um 1900 in drei Amtsbezirke (Braunschweig/Wolfenbüttel/Helmstedt, Gandersheim/Holzminden und Blankenburg) sowie fünf Exklaven aufgeteilt, von denen vier zu sehen sind (Calvörde - Oelsburg - Bodenburg - Ostharingen; Thedinghausen liegt vor den Toren Bremens, in 200 km Entfernung) Die Anbindung des Amtes Harzburg wurde nach Abtretung der Goslarschen Stadtforst 1889 nur über eine “Nabelschnur”, die “Okerthals- Chaussee” aufrechterhalten. Die Exklaven wurden von der Provinz Hannover umschlossen, Calvörde von der Provinz Sachsen (nach: BZ, 28.10.2003)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorgeschichte
 
Am Anfang der Landesgeschichte steht die Belehnung Heinrichs des Stolzen mit dem Herzogtum Sachsen im Jahre 1137, womit Kaiser Lothar III. (Lothar von Süpplingenburg, reg. 1133-1137) den ersten Welfen in den sächsischen Herzogsrang erhob. Das Gebiet [Karte] deckte sich etwa mit dem des heutigen Niedersachsen und weite Teile von Nordrhein-Westfahlen, nicht aber das heutige Bundesland Sachsen [Chronik]:

c:\slides\muenze.jpgHeinrich der Stolze hinterließ weitgehend ungeklärte Herrschaftsansprüche. Erst seinem Sohn Heinrichs des Stolzen, Heinrich dem “Löwen” , gelang es mit eisernem Ehrgeiz und anfänglicher Unterstützung seines Vettern, Kaiser Friedrich I. (“Barbarossa”, 1155-1190) alte Erbansprüche durchzusetzen. (Stammbaum der Welfen)

Schon die Jugendzeit Heinrichs war durch den staufisch-welfischen Konflikt bestimmt. Als der Vater 1139 plötzlich starb, übernahm seine Großmutter Richenza, die Witwe Kaiser Lothars III., die Regierung für den minderjährigen Knaben. Auf dem Reichstag in Frankfurt wurde Heinrich 1142 als Herzog von Sachsen bestätigt, er musste jedoch noch auf Bayern verzichten. 1142 wurde er durch Barbarossa zum Nachfolger Konradts gewählt, im gleichen Jahr erhielt er die Reichsvogtei Goslar als Lehen. Auf einem Reichstag 1154 akzeptierte Barbarossa den Norden als Machtbereichs Heinrichs - vorübergehend. Für zwei Jahrzehnte fand man ihn an der Seite Barbarossas, der Ausgleich zwischen Welfen und Staufern schien erreicht. 1170 hatte er den Höhepunkt seiner Macht erreicht. Zentrum der Repräsentation war Braunschweig - die nach dem Vorbild der Königspfalzen ausgebaute Burg Dankwarderode war größer als alle von Barbarossa errichteten Pfalzen.

Heinrich hatte als Herzog von Sachsen und Bayern nicht nur München gegründet, sondern auch Mecklenburg und Vorpommern. Die Wende kam 1176, als Kaiser Friedrich den Herzog von Sachsen und Bayern um Militärhilfe beim fünften Italienzug bat. Damit sollten die nach Selbständigkeit strebenden Norditaliener unterworfen werden. Seiner vermeintlich starken Position bewusst, verlangte  Heinrich als Gegenleistung die durch Bergbau reich gewordene Stadt Goslar - ein Ansinnen, das der Kaiser auf der legendären Begegnung im norditalienischen Chiavenna empört ablehte. Der Zwist mündetet in einen aufsehenerregenden Prozess, in dem Heinrich 1180 seine Titel als Herzog von Sachsen und Bayern verlor. Er ging in die Verbannung, konnte danach aber bis zu seinem Lebensende auf seinen mütterlicherseits ererbten Gütern verbleiben (Allodialbesitz).

 Otto IV. (1175/-76 bis 1218) war dritter Sohn Herzog Heinrichs des Löwen und von Mathilde, Tochter Heinrichs II. von England. Seine älteren Brüder waren Pfalzgraf Heinrich (1173/74–1227) und Lothar (1174/1175–1190). Sein jüngerer Bruder war Herzog Wilhelm von Lüneburg (1184–1213).
Otto war nicht nur der glücklose Herrscher in deutschen Landen. Bevor man ihn überredete, ins düstere, kalte Norddeutschland zu kommen, hatte er bereits eine glückliche Jugend im anglo-normannischen Reich durchlebt. Da sich sein Vater mit Kaiser Friedrich I. Barbarossa und den meisten Reichsfürsten im Streit befand, musste die Familie das Land verlassen und ging ins Exil nach England zum Königshof von Richard Löwenherz, des Bruders von Ottos Mutter. Unter dessen Förderung wurde er auf das Sorgfältigste ausgebildet, da Löwenherz und dessen Mutter Eleonore ihn nur zu gern als Nachfolger -Herzog von Aquitanien und Graf im Poitou - gesehen hätten.  Dort konnte man an langen Abenden bei süßem Wein den Minnegesängen lauschen. Ottos Interesse am Minnesang und höfischer Dichtung war in der Tat geweckt. Seine Stärke aber sollte zunächst auf dem Schlachtfeld liegen.

Als Herzog von Aquitanien  kämpft er,  gemeinsam mit seinem Onkel , gegen Frankreich. 1197 stirbt der deutsche Kaiser, Heinrich VI., und es folgt ein Machtpoker um die Nachfolge. Eine Mehrheit der deutschen Fürsten wählt Philipp von Staufen zum König, ein anderer, dem Erzbischof von Köln zugewandter Teil ignoriert diese Entscheidung und benennt einen Gegenkönig. Welcher vonr beiden kann sich durchsetzen und die Gunst des Papstes erlangen? Es bricht ein jahrelanger Kampf um die Thronfolge aus, den Philipp zunächst gewinnt. Doch dann spielt das Schicksal die entscheidende Rolle: 1208 wird Philipp ermordet, der Weg für Otto ist frei. Am 4. Oktober 1209 krönt Papst Innozenz III. ihn in Rom zum deutschen Kaiser. Seine Regentschaft ist allerdings nur von kurzer Dauer.  Otto führt 1215 und 1216 erfolglose Feldzüge gegen den dänischen König Waldemar, der die nordelbingischen Gebiete besetzt hält. Im Jahre 1216 fallen auch die Bürger von Bremen und Köln von Otto ab, womit sich sein Einflussbereich auf seinen braunschweigischen Hausbesitz beschränkt. Der an einer ruhrartigen Infektion erkrankte Kaiser hält sich ab dem 13. Mai 1218 auf der Harzburg auf. Er stirbt am 19. Mai und wird im Beisein des Hildesheimer Bischofs nach Braunschweig überführt, wo er in der Stiftskirche St. Blasii neben seiner ersten Ehefrau Beatrix (der Tochter des einstigen “Gegenkönigs” Philipp von Schwaben), seine letzte Ruhe findet.

In der öffentlichen Wahrnehmung blieb Otto stets im Schatten seines berühmten Vaters Heinrichs des Löwen und der mächtigen Staufer. Das änderte sich:  Die Löwenstadt Braunschweig stand im Jahr 2009 ganz im Zeichen des 800. Jahrestages der Kaiserkrönung. Seitdem wird “Ottos IV.” nicht mehr als “Otto in Vertretung” sondern als “Otto von Braunschweig” oder “Otto der Sachse” wahrgenommen .

 

Die Jahrhunderte alte verwaltungsmäßige Einheit des Braunschweiger Landes hat ihre eigentlichen Wurzeln in einer 1235 verfassten Urkunde, die heute im Niedersächsischen Staatsarchiv in Wolfenbüttel am Forstweg lagert (zu besichtigen auf Anfrage. Tel. 05331-935-0). Die Urkunde wurde in der Reichskanzlei Friedrichs II. gefertigt und folgt dem prächtigen Stil italienischer Urkunden. Das Dokument schlichtete damals den Streit, der zwischen Heinrich dem Löwen und seinem Vetter, dem staufischen Kaiser Friedrich Barbarossa begonnen hatte. Auf dem Hoftag in Mainz kommt es  zur erneuten Versöhnung zwischen den Welfen und Staufer Kaiser Friedrich II. (dem Großen). Dieser erhebt den einzigen noch lebenden Enkel Heinrichs, den Welfen Otto das Kind, in den Reichsfürstenstand als Herzog zu Braunschweig. Man kann das sehr wohl als Gründung des Herzogtums Braunschweig bezeichnen. Schon die Erben Ottos teilen das neue Herzogtum untereinander auf. Johann (1257-1277), der Begründer des Hauses Lüneburg, übernimmt das nördliche Gebiet mit Lüneburg und Celle. Albrecht (1252-1279), der Stammvater des Alten Hauses Braunschweig, erhält Gifhorn, Einbeck und Göttingen. Die Stadt Braunschweig mit der Burg und den Stiften St. Blasius, St. Cyriakius und dem Aegidienkloster bleiben gemeinschaftlicher Besitz beider Herzöge. Das zum Reichsfahnlehen erhobene Herzogtum Braunschweig-Lüneburg (1235-1754) durch Erbteilung in verschiedene Teilstaaten zerfällt. So resultieren im 13. bis 15. Jahrhundert fünf Fürstentümer:

  • 1269 Lüneburg-Celle  Erbe war später Georg I., König von Großbritannien
  • 1269 Braunschweig-Wolfenbüttel Ab 1814 Herzogtum Braunschweig
    • 1286 Braunschweig-Grubenhagen  Bis 1596 eigenständiges Fürstentum, danach Rückfall an Braunschweig-Wolfenbüttel
    • 1345 Braunschweig-Göttingen Entstand aus einer weiteren Teilung des Braunschweiger Fürstentums und
    • 1432 Braunschweig-Calenberg Entstand aus der Abspaltung hinzugewonnener Länder des Füstentums Braunschweig-Wolfenbüttel; wird 1495 um Göttingen, 1665 um Grubenhagen und 1705 um das Fürstentum Lüneburg erweitert

Die Vormachtstellung des Wolfenbüttler Fürstentums verstärkt sich in der Großen Stiftfehde mit dem Hochstift Hildesheim (1519-1523), in der es Heinrich dem Jüngeren zusammen mit dem Calenberger Fürsten gelingt, dem Hochstift zwei Drittel des Territoriums zu entreißen. Dabei wird das Vorharz-Gebiet mit den Gebieten im Weserbergland verbunden. Von 1584-1634 gehören Calenberg und Göttingen zu Wolfenbüttel und von 1596-1617 ist Grubenhagen von Wolfenbüttel annektiert, so dass in dieser Zeit drei der welfischen Territorien einem Fürsten und einer Regierung unterstehen. Trotz der zahlreichen Teilungen ist festzuhalten, dass es immer nur ein Herzogtum Braunschweig-Lüneburg gab und  dass alle welfischen Fürsten den Titel eines “Herzogs von Braunschweig-Lüneburg” trugen!

Jeder fängt mal klein an!. Das lässt sich auch auf die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg mit ihrem von 1432-1754 in Wolfenbüttel bestehnden Residenzsitz feststellen. Um 1450 war das Wappen viergeteilt - so bis heute im Inneren des Schlosshofes (im östlichen Arkadengang) zu sehen.. Für die  Darstellungen wählten die Herzöge den Löwen und - zunächst überraschend - zwei Leoparden. Der Löwe ist das Zeichen der Welfen schlechthin - schließlich bedeutet "Welfe/Welpe" das Junge eines wehrhaften Tieres. Die Leoparden haben ihren Ursprung in der Zuneigung des Welfengeschlechts zum englischen König Richard Eisenherz.
         Das neue "große Wappen" wird seit etwa 1600 verwendet, als sich der Einfluss Wolfenbüttels auf dem Zenit befand. Das zwölfteilige Wappen wird durch die Helmzier noch eindrucksvoller: fünf offene Gold-gekrönte Helme sind zu erkennen, die für Braunschweig-Lüneburg, Hoya, Bruchhausen, Honstein/Lauterberg sowie Regenstein/Blankenburg/Diepholz stehen. Am Fuße es Wappens ist auf einem blauen Band zumeist der Leitspruch aller regierenden Herzöge, "
NEC ASPERA TERRENT" (auch Widerstände schrecken sie nicht") zu lesen. Das abgebildete Exemplar über dem Schlossportal ist das Erkennungsbild Friedrich Ulrichs, der das hiesige Herzogtum bis in den Dreißigjährigen Krieg hinein regiert hat. Die Bedeutung der zwölf Felder in den "großen Wappen", von oben und jeweils von links nach rechts:

  • Feld l: Sinnbild der älteren Lüneburger Linie. Es enthält einen blauen Löwen auf goldenem und mit roten Herzen bestreutem Grund. Im
  • Feld 2 sind die beiden Leoparden - golden und schreitend, wie der Heraldiker es nennt - auf rotem Felde für die ältere Linie des Hauses Braunschweig zu erkennen.
  • Feld 3: Der Löwe steht für das Wappen des Grafen von Everstein, dessen Grafschaft zu damaliger Zeit zum Herrschaftsbereich des in Wolfenbüttel residierenden Herzogs gehörte. Everstein liegt in den Waldungen der Weserberge, also im südwestlichen Teil des Herzogtums.
  • Feld 4 betrifft das Gebiet der Edelherren von Homburg, zwischen Weser und Leine liegend und 1428 an das Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel gefallen. Auch hier ist der aufrechte goldene Löwe das Wappentier. Die Silber und Blau bestückte Einfassung ist das spezielle Erkennungszeichen für Homburg.
  • Feld 5: Wiederum ein Löwe im zentralen Feld des Wappens, golden auf blauem Grund, was bis ins  nordwestlichste Herrschaftsgebiet zum Grafen von Diepholz weist.
  • Feld 6 weist auf einen Herrschaftsbereich im Südharz hin. Die Grafen von Lauterberg nutzen die Farben rot und gelb und den Löwen mitten in ihrem Wappen
  • Feld 7 ist geteilt und zeigt mit den Bärentatzen Hoyasches Gebiet. Darunter - ohne Wappentier - Bruchhausener Gebiet, wie auch Hoya vor den Toren Bremens liegendes Gebiet, das seit Aussterben der Linie dort im Jahre 1582 zum „Wolfenbütteler Gebiet" gehört hat.
  • Feld 8 rückt mit dem silbernen Adler auf blauem Grund erstmals ein weiteres Wappentier ins Bild: den Adler der Grafen von Diepholz. In
  • Feld 9, schachbrettartig in rote und silberne Felder geteilt, ist das Erkennungszeichen der Grafen von Honstein, deren Sitz im südlichen Harzbereich zu finden war, zu sehen.
  • Feld 10 lenkt den Blick ins östliche Vorharzgebiet: Nach Regenstein, wo die weitgehend aus Fels bestehende Burg und Festung der Grafen von Regenstein geführt worden ist. Eine rote Hirschstange steht stets für Regenstein.
  • Feld 11:  Der schreitendeschwarze Hirsch auf silbernem Grund steht für Klettenberg und deren Grafengeschlecht. Klettenberg liegt ebenfalls südlich des Harzes auf heute thüringischem Gebiet.
  • Feld 12: Hier kommt Blankenburg ins Spiel. Die vierendige schwarze Hirschstange gehört, heraldisch gesehen, den Grafen von Blankenburg, die am nordöstlichen Harzrand ihr Territorium regierten und zeitweise in allerengster Beziehung zum Hof in Wolfenbüttel gestanden haben. Nach: Dieter Kertscher

Das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel entspricht im 15./16. Jahrhundert etwa dem späteren Herzogtum Braunschweig. Bis etwa 1432 hatten die welfischen Herzöge ihre Residenz in Braunschweig, ehe sie, müde des Dauerstreits mit den stolzen Hansestädten, ihre Residenz im zwölf Kilometer stromaufwärts gelegenen Wolfenbüttel errichten. Das hier entstandene SCHLOSS der Braunschweig-Lüneburgischen Herzöge wird - im Verbund mit der herzoglichen Kanzlei, dem Konsistorium, den Gerichten, und dem Archiv - zur Schaltzentrale eines riesigen Gebietes, von der aus d er Wolfenbüttel-Braunschweigische Teil des Gesamtherzgtums regiert wird. Um 1600 erreicht das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel mit einem Gebiet von Minden bis Halberstadt seine größte Ausdehnung, da ihm nun nicht nur die Fürstentümer Calenberg-Göttingen und Grubenhagen und große Gebiete des Fürstbistums Hildesheim unterstehen, sondern auch das Fürstbistum Halberstadt und die Grafschaften Hohnstein und Regenstein, die Herrschaften Klettenberg und Lohra sowie Teile von Hoya an der Unterweser. In Wolfenbüttel entspricht die Zahl benötigter Handwerker der Bedeutung des Hofes. Für diese und andere herzogliche Einrichtungen entstehen hunderte von Fachwerkgebäuden, anfangs ungeordnet, später auf herzoglichen Befehl ausgerichtet und brandtechnisch abgesichert. Auf dem Höhepunkt der Stadtentwicklung folgt der Heinrichstadt die Auguststadt im Westen und die Juliusstadt im Osten.

Lechlumer Holz: FoltermethodenEin düsteres Kapitel, auch unserer lokalen Geschichte, ist die Hexenverbrennung, die durch die “Hexen-Bulle”  von Past Innozenz VIII. im Dezember 1484 eingeleitet wird. Ihren Höhepunkt erreichte sie zwischen 1560 und 1630. Die Herzogliche Hinrichtungsstätte befand sich im Lechlumer Holz, wo Herzog Heirich der Jüngere zum Beispiel an einem Tage des Jahres 1565 zehn “Zaubersche” verbrennen ließ. Sein Nachfolger, Herzog Julius, lehnte als erster evangelischer Fürst, Hexenverfolgungen, die “der gesunden Vernunft widerlaufen” ab und setzte zahllose Freisprüche durch. In die Zeit von Herzog Heinrich Julius fällt erneut die Verbrennung von 97 Frauen und 17 Männern. 50 weitere Personen wurden verbrannt, drei enthauptet, eine starb in der Haft, 39 wurden freigelassen und vier ausgewiesen. August der Jüngere (bis 1666) setzte diese unrühmliche Tradition vehement fort. An der Richtstätte führte die alte Heer- und Handelsstraße vorbei - den Menschen zur Mahnung und Abschreckung. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts blieb der Ort die zentrale Hinrichtungsstätte im Braunschweiger Land, sie bestand zeitweise aus acht Richtepfählen, sechs Rädern und drei Galgen. 1759 wurde sie mit zwei Pfählen, einem Rad und zwei Galgen auf den Wendesser Berg, östlich von Wolfenbüttel, verlegt.

 

 

 

Als am 11.08.1634 Herzog Friedrich Ulrich in Wolfenbüttel kinderlos stirbt, kommt es 1635 zur letzten großen Welfischen Erbteilung, aus der das Fürstentum in wesentlich verkleinertem Umfang hervorgeht. Nachdem Herzog Georg von Calenberg schon am 22.08.1634 Stadt und Stift Hildesheim erobert hatte, treffen sich am 14. Mai 1636 die welfischen Herzöge von Calenberg, Lüneburg und Wolfenbüttel in Peine zur Abstimmung, doch bleibt es das erklärte Ziel Georgs, das Gesamthaus Braunschweig-Lüneburg in bewaffneter Neutralität zu vereinigen. Nach kriegerischen Auseinandersetzungen  übernimmt Herzog August d. J. von Dannenberg im Alter von 56 Jahren die Herrschaft über Wolfenbüttel.

    Vor dem Dreißigjährigen Krieg gab es in Nordwestdeutschland mehrere selbständige Städte, die unabhängig von ihrem Landesherren Politik betrieben - darunter die Partnerstädte Magdeburg und Braunschweig. Im Krieg konnte der Braunschweiger Rat die Stadt durch eine konsequente Neutralitätspolitik noch aus den Kriegshandlungen heraushalten, dennoch wurde sie durch die Wirtschaftsnot der Nachkriegsjahre schwer getroffen. Dies führte schließlich zur Übernahme durch Herzog Rudolf August von Braunschweig-Wolfenbüttel, denn niemand war bereit einen Krieg für die Freiheit Braunschweigs zu riskieren. Die komplizierten Erbrechte des welfischen Herrscherhauses ließen allen Familienzweigen ein Mitspracherecht, wobei Braunschweig noch das Glück hatte, dass die Verwandten des Herzogs in Celle und Hannover beschwichtigend auf die überzogenen Forderungen Rudolf Augusts einwirkten. Dennoch entging die Stadt nicht der Stationierung einer Garnison und den damit verbundenen Einschränkungen der städtischen Freiheit und 1671 der Unterwerfung (s.u.).

    Hochwasser als Tiefpunkt der Residenzstadt welfischer Herzöge. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts lag die Festung Wolfenbüttel in den Händen des Dänen-Königs Christian IV. Im 30-jährigen Krieg wurde es mit der Schlacht bei Lutter am Barenberge (1626) in die Krieghandlungen verwickelt und im September 1627 rückte der Kaiserliche Generalwachtmeister Graf zu Pappenheim mit einem Heer vor die Stadt, um dem Dänenkönig den letzten südlichen Stützpunkt zu entreißen. Als Eroberer ließ er die Festung Wolfenbüttel ringförmig durch Schanzen umgeben und die Oker durch den fälschlich so genannten “Schwedendamm” am Lechlumer Holz aufstauen. 700 Meter war das Okertal an dieser  Stelle breit. Eilig angelegte Schanzen wie die  “Schweden-Schanze” sicherten das Bauwerk aus Erde und Ton. Zu Weihnachten 1628 wurde die bis dato durch Beschuss nicht zu gewinnene Festung dann unter Wasser gesetzt. Wie die Namensgebung Schwedenschanze / Schwedendamm zeigt, schrieb man damals alles Übel den Scheden zu, tatsächlich jedoch griffen diese erst 1630 in die Kampfhandlungen ein, und waren am zweiten Aufwerfen des Dammes 1641 beteilgt. Die eigentlichen Wiederholungstäter waren diesmal allerdings die kaiserlichen Truppen der katholischen Liga im Verband mit den übrigen Fürsten des Welfenhauses, den Hessen und den Weimarern, die Herzog August dem Jüngeren (1635-1666) den Einzug in Wolfenbüttel verwehren wollten. Dieser Einzug gelang erst 1643.

     

Schloss Wolfenbüttel

Schlossmuseum Wolfenbüttel

 

Der Begriff  “Absolutismus” verbindet sich zunächst mit der Person Ludwigs XIV (1661-1715), der die staatliche Gewalt in seiner Person verkörpert. Im Hause Braunschweig kann Anton Ulrich (1685/1704-1714) als Musterbeispiel eines absolutistischen Fürsten gelten. Das Schlüsselereignis, das dem vorausging, war die Unterwerfung der Stadt Braunschweig 1671. In einer Anstrengung des gesamten Welfenhauses (Wolfenbüttel, Celle, Calenberg), war unter Führung von Rudolf August (1666-1704) die längst anachronistisch erscheinende Selbständigkeit der Stadt beendet worden, so dass Braunschweig Teil des Hauses Wolfenbüttel geworden war.

    Ende des 17. Jahrhunderts verliert das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel durch Vereinigung der drei anderen welfischen Fürstentümer (Lüneburg, Grubenhagen und Calenberg) stark an Einfluss. 1692 wird durch Herzog Ernst-August von Cumberland gegen den erbitterten Widerstand der Wolfenbüttler Linie für Hannover die Kurwürde durchgesetzt. 1705 wird die Vereinigung des Fürstentums Lüneburg mit Calenberg-Göttingen-Grubenhagen zustande gebracht, dessen Verwaltungsbehörden in Hannover zusammengeführt werden, und das als “Königtum Hannover” in die Geschichte eingeht. Ab 1714 besteht Personalunion mit dem Königreich Großbritannien. Damit ändert sich die Situation in sofern noch einmal, als der Hof in Wolfenbüttel die einzige in Niedersachsen verbliebene Repräsentanz des Welfenhauses ist. Entsprechend scheint unter den Herzögen August-Wilhelm (1714-1731) und Ludwig-Rudolf (1731-1734) der Wolfenbüttler Einfluss in Norddeutschland  noch einmal zuzunehmen.

Die seit dem 15. Jahrhundert bestehende städtische Unabhängigkeit Wolfenbüttels geht verloren, als die welfischen Landesherren ihre Residenz ab 1732 und bis 1753 unter Carl I. in das inzwischen abhängige Braunschweig zurückverlegen. Der Herzog vollzieht damit, was Trend geworden ist und dabei stört auch nicht, dass der von Hermann Korb 1717 begonnene Schlossneubau am “Grauen Hof” noch nicht fertiggestellt ist.

    Schon 1588 hatte Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel den Stadthof der Zisterzienser erworben. Nachem die Herzöge 1671 ihre mittelalterliche Residenzstadt Braunschweig zurückerobert hatten, entstand aus dem zwischenzeitlich als Gasthof genutzen Gebäude (zusammen mit Teilen der Burg Heinrichs des Löwen) die erste neue Stadresidenz. Zwischen 1717-1736 wurde das Gelände am Bohlweg unter Hermann Korb und 1745-1754 unter Martin Peltier mit einem großen Stadtschloss bebaut, dessen 100 Meter langen Seitenflügel mit schmalem Mitteltrakt mit seiner U-Form tief in den Stadtkörper eingriff. 1783-1791wurde der Bau in spätbarocken Formen vollendet. Nach dem Brand von 1830 wurde der Bau durch den 1837 fertiggestellten prunkvollen Ottmerbau ersetzt, der den zweiten Weltkrieg schwer beschädigt überstand.

 

Grauer Hof   - Der Name geht auf den Stadthof der Riddagshäuser Zisterzienser zurück, der hier zuvor gestanden hatte. Er leitete sich wohl von den nicht mehr ganz so weißen Kutten der Mönche ab. Der Name wurde auf das Barockschloss übertragen, dessen Wurzeln auf August Wilhelm (1671), den Bruder Anton Ulrichs, zurückgehen.  Architekt: Hermann Korb. Sollten Bilder mit Schrift überlappen: Schriftgrad bitte auf “sehr klein” stellen [Explorer: Ansicht->Schriftgrad->sehr klein] oder Bilder einfach weg-clicken

Die Auswirkungen auf Wolfenbüttel sind katastrophal: 4000 Bürger folgen der herzoglichen Familie und Wolfenbüttels Bevölkerung sinkt von ehemals 12000 auf 7000. Lediglich das Archiv, das Kirchenamt und die Bibliothek bleiben als Brücke zurück. Aus Brauschweig vernimmt man Spott: Wolfenbüttel sei zum “Witwensitz” verkommen, man nennt es auch “Lumpenbüttel”. Die weiten Gartenflächen vor den drei Stadttoren (Herzogtor, Harztor, Augusttor) werden den ehemaligen Gärtnern auf Erbpacht überlassen. Als Folge daraus entstehen zahlreiche Konservenfabriken. Vor dem Herzogtor wächst die Zahl der Gärten, die sich schließlich bis zum Lechlumer Holz erstrecken. An dessen Südrand grüßt das 1733 anstelle eines Gartenhauses errichtete Lustschlösschen Antoinettenruh, ein Werk des für Wolfenbüttel so bedeutsamen Baumeisters Korb. Wolfenbüttel wird zur Stadt der Schulen, 1753 wird das Lehrerseminar gegründet, das im Waisenhaus beginnt und später in das Gebäude der heutigen Harztorwall-Schule umzieht.
       In
Carls I. Epoche fallen große Leistungen auf kulturellem und wissenschaftlichem Gebiet: das Theater wird gefördert und die Bildung vorangetrieben. 1753 wird das herzogliche Kunst- und Naturalienkabinett - Vorläufer des Naturhistorischen Museums, gegründet. Die reichhaltigen Sammlungen waren von den braunschweigischen Herzögen zusammengetragen worden war. Gefördert wird dieses Vorhaben von Abt Jerusalem, dem Gründer des Collegium Carolinum (später: Technische Hochschule/Universität Carolo Wilhelmina). Nicht mehr Wolfenbüttel, sondern Braunschweig erlebt nun eine kulturelle Blüte.

    Das einnehmende Wesen der Braunschweiger Herzöge. Die Herzöge zeigten sich einfallsreich wenn es darum ging ihre Untertanen zu schröpfen und zu bevormunden. In seinem Band (2005) weist Roger Klittich viele Ankündigungen neuer Steuern nach, aber keine einzige Mitteilung, die eine bestehende Abgabe aufgehoben hätte. Die Herzöge bedienten sich mitleidloser Steuereintreiber, die Steuersünder noch im letzten Winkel aufspürten. Diese Bevollmächtigten hatten auch das Recht zu strafen. Was ein Herzog anordnete, war amtlich und konnte auf dem Gerichtswege unter keinen Umständen angefochten werde
    Besonders gerne verfassten die Herzöge Edikte zum Thema Bier. Am 6. August 1770 erließ Herzog
    Carl I. eine „extraordinaire" Biersteuer, von der wenige befreit blieben, etwa die Prälaten, Prediger, Kirchen - und Schuldiener. Ein Jahr später drohte er den säumigen Steuerzahlern unter den Brauern mit der Strafe einer doppelten Steuer.  Auch griff er mehrfach regulierend in das heimische Brauchtum ein. So verbot er 1745 den Pferdejungen auf den Dörfern, am dritten Pfingsttag Wettläufe mit dem Pferde zu veranstalten und ”als wilde Leute auf unbändigste Weise in den Feldern und Wiesen herumzujagen”. Eine Verordnung vom 9. Januar 1776 vebot „Schießen bey Hochzeiten und Kindtaufen".
    Auf dem platten Lande  müssen die Sitten besonders rau und seltsam gewesen sein, denn 1770 erließ Herzog Carl eine Verordnung gegen die damals weit verbreitete Unbarmherzigkeit, nicht ortsansässige Kranke abzuschieben. Der Herzog ordnete deren Unterbringung, Verpflegung und Versorgung durch die Gemeinden an. Bis ins Detail ausgefeilt waren 1790 die Vorschriften für den Gebrauch von Postkutschen. Da ließ sich Karl Wilhelm Ferdinand alle möglichen Bestimmungen über Tarife, Meilengelder, Nachtzuschläge, Trinkgelder und Vorbestellung der Pferde einfallen. Insbesondere verbot  er  das Schlagen der Postpferde Peitschen und Stangen. Diesen „Unfug" belegte der Regent mit einer Strafe von 10 Thalern
    Immer wieder machten sich die Herzöge Gedanken über das ungebührliche Verhalten ihrer Untertanen. Für die Universität Helmstedt stellte Carl 1778 einen Kirchen- und Schulaufseher ein, der jene Studiosi im Auge behalten sollte, deren Unfleiß und deren Ausschweifungen sich bis ins Herzoghaus herumgesprochen hatten. Der besonders ediktfreudige Carl untersagte ferner 1743 das Sammeln von Geld an Martini, Weyhnachten und Neujahr, weil „
    die Erfahrung lehret, daß ..... die gesammelten Gelder zum Prassen und Gesöff verwandt" werden.

    Im August 1784 hielt sich Goethe in politischer Mission in Braunschweig auf, als er als Weimarscher Minister seinen Herzog Carl August begleitete (vergl. Anna-Amalia). In einer Situation, in der sich die politische Lage zwischen Österreich und Preußen nach dem Siebenjährigen Krieg wieder einmal zugespitzt hatte, planten die deutschen Klein- und Mittelstaaten als ausgleichende Kraft einen Fürstenstaat. Herzog Carl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig sollte für diesen Fürstenbund gewonnen werden, was auch gelang (30. August). Die geheime Mission war als Familienbesuch zur Zeit der Herbstmesse getarnt; das Hofleben bestimmte den Aufenthalt, wohnte man doch im Residenzschloß am Bohlweg. Nicht ohne Ironie berichtet Goethe: was unseren guten Herzog anlangt, so langweilt er sich schrecklich. Er möchte gern Anteil nehmen, möchte gerne was bedeuten. Der streng bemessene Gang des ganzen hiesigen Tuns und Treibens nagt ihn und eine Fee könnte ihm keinen angenehmeren Dienst erweisen, als wenn sie diesen Palast in eine Köhlerhütte verwandelte" (18. August).....”Wir haben hier allerlei Interessantes erlebt... dafür hat's aber auch lange Sitzungen gegeben in der Oper, an der Hoftafel; zumal die letzteren langweilen mich entsetzlich" (21. August).

Im Zeitalter der Aufklärung entlädt sich die allgemeine politische und soziale Krise in Frankreich 1789 im Sturm auf die Bastille, dem Beginn der Französischen Revolution. Das “Ancien Régime”, die Adelsherrschaft, wird durch die Herrschaft des Bürgertums ersetzt, dadurch wird europaweit ein Strukturwandel, die “Industrielle Revolution”, ausgelöst. Mit Billigung von Herzog Carl-Wilhelm-Ferdinand unternimmt auch die Braunschweig-Wolfenbüttler Regierung in der Innenpolitik einige kühne Schritte in dieser Richtung, ehe sie durch die konservative Opposition aus Klerus und Landadel gebremst wird. Zunächst ist die Regierung bemüht, dem Kriege aus dem Wege zu gehen und sie hält die eigenen Truppen klein. 1806 wird das Fürstentum ohne Gegenwehr von Französischen Truppen besetzt und dem Königreich Westfalen mit der Haupstadt Kassel zugeschlagen. Dieses untersteht Napoleons Bruder Jérôme, der mit seinem “Musterstaat” den Deutschen die Errungenschaften der Französischen Revolution näherbringen will. In der Folge entstehen das Oker-, das Leine- und das Harz-Département.
         Wenig später erzeugen die hohen Steuern und Truppenaushebungen erhebliche Miss-stimmung.
Carl-Wilhelm-Ferdinand befehligt jetzt die preußische Armee gegen Napoleon I., ehe er am 14. Oktober 1806 bei Auerstedt einen Augendurchschuss erleidet. Bei einem kurzen Aufenthalt in Braunschweig kann er noch die Erbfolgerechte für seinen Sohn Friedrich-Wilhelm festlegen, ehe er am 10.11.1806 in Ottersen bei Hamburg verstirbt. Als Friedrich Wilhelm, der “Schwarze Herzog”, 1809 seinen kühnen Zug von Sachsen durch Braunschweig bis zur Nordsee unternimmt, versagt die Westfälische Armee. 1814 endet das Königreich Westfalen mit dem Wiener Kongress und es entstehen als Nachfolgestaaten das Königreich Hannover und das Herzogtum Braunschweig. Während das Bürgertum im industrialisierten England im Wohlstand lebt, herrschen hier nach der Missernte von 1830 Arbeitslosigkeit, Hunger und große Unzufriedenheit. Herzog Carl II. bringt die Bevölkerung durch seinen ungeschickten Regierungsstil und sein absolutistisches Gehabe gegen sich auf, was in einen Volksaufstand mündet: Der oben erwähnte “Graue Hof” wird 1830 von Kleinbürgern, Handwerkern und Arbeitern gestürmt und eingeäschert, Carl II. bleibt nur die Flucht in die Schweiz - im Gepäck Kunstwerke von unschätzbarem Wert. In Braunschweig können derweil Recht und Ordnung nur durch die von Ratsherr Wilhelm Bode gegründete Bürgerwehr aufrechterhalten werden. Carl II. wird in Abwesenheit für regierungsunfähig erklärt, die Regentschaft wird seinem jüngeren Bruder Wilhelm (dem zunächst letzten Mitglied der Welfischen Linie) übertragen. Unter diesem unverheiratet regierenden Herrscher durchlebt das Herzogtum bis 1884 eine Neutralitätsphase als kleiner Staat, der weder mit Österreich noch mit Preußen verbündet ist. Nachfolger wird dann auf  Bestreben Preußens nicht ein Welfischer Hannoveraner (Herzog Ernst August von Cumberland war ausersehen), sondern Prinz Albrecht von Preußen: das Herzogtum stand bereits seit dem Deutschen Krieg von 1866 bis 1911 unter der Verwaltung des Königreichs Preußen. Erst mit der Hochzeit zwischen Victoria Luise (Tochter Kaiser Wilhelms II.) und Prinz Ernst August von Braunschweig-Lüneburg, Sohn des Herzogs von Cumberland, am 24.05.1913, kommt es zur Aussöhnung zwischen Welfen und Hohenzollern und es wird noch einmal ein Welfe zum Herrscher. Am Ende des Ersten Weltkrieges dankt der Braunschweiger Herzog am 8. November 1918 ab (“Novemberrevolution”). Nach der Weimarer Verfassung von 1919 erhält Braunschweig den Status eines Landes, und am 6. Januar 1922 wird die Verfassung des „Freistaates Braunschweig" verabschiedet. Während der nationalsozialistischen Herrschaft untersteht Braunschweig einem Reichsstatthalter und verliert damit seine Eigenständigkeit. Nach dem Sieg über Nazi-Deutschland wird Preußen aufgelöst und es entsteht der Gebietsrat Niedersachsen, in dem die (bis dahin) preußische Provinz Hannover und die Länder Oldenburg, Braunschweig, Schaumburg-Lippe und Bremen zusammengefasst werden. Hinrich Kopf, Hannovers Oberbürgermeister, hat entscheidenden Anteil daran, dass am 11. November 1946 das Land Niedersachsen gegründet wird. So entsteht nach 800 Jahren des Getrenntseins ein Gebiet, das ungefähr dem Herzogtum Sachsen entspricht, so wie es Heinrich der Löwe einst regiert hat.
         Mit der politisch gewollten Auflösung des Regierungsbezirks Braunschweig geht am 1. Januar 2005 auch die verwaltungsmäßige Einheit des Braunschweiger Landes zu Ende, die, wie eingangs beschrieben, seit 1235 bestand. Schon im darauf folgenden Jahr wird offen darüber gesprochen, dass diese Entscheidung zu Problemen geführt hat:

    Vernichtendes Zeugnis für die Verwaltungsreform (Auszüge aus Michael Ahlers, Braunschweiger ZDocheitung vom 18.05.2006)

  • Das Auflösen der Bezirksregierungen war eine politische Vorgabe. Es gab vorher keine Analyse
  • Die Reform führt unzweifelahft zu einem Anwachsen und einer Verfestigung von Sonderbehörden
  • Die fehlende Bündelung in Bezirksregierungen erschwert die Abstimmung in der Verwaltung und begünstigt Konflikte
  • Weil die Bezirksregierungen als Widerspruchsinstanz bei Behördenbescheiden fehlt, stieg die Zahl der Gerichtsverfahren
  • Die Gebäude der ehemeligen Bezirksregierungen sind immer noch voll mit Mitarbeitern - nur unter neuen Schildern und ohne einheitliche Behördenleitung.

Doch wurde die Tradition des Braunschweiger Landes in einigen Institutionen gewahrt, die an dessen Tradition anknüpfen - so die Braunschweigische Landeskirche, die Stiftung Braunschweiger Kulturbesitz und das Braunschweigische Landesmuseum.

Herzogtum Braunschweig-Lüneburg (1235-1814) und -Braunschweig (bis1918)

Regentschaften (Dokument)

1235-1252 Otto das Kind (Enkel Heinrichs des Löwe, Sohn von Wilhelm von Lüneburg; †1252) - so genannt, weil er mit 14 Jahren die Regierung antrat und zudem von unansehnlicher Gestalt gewesen sein soll. Empfing auf dem Reichstag zu Mainz 1235 von Kaiser Friedrich II. den erblichen Titel eines Herzogs von Braunschweig und Lüneburg als Reichslehen. Mit ihm wurden die welfischen Besitztümer um Braunschweig und Lüneburg wieder vereinigt, die sich die drei Söhne Heinrichs des Löwen geteilt hatten. Dies ist der Beginn eines selbständigen Braunschweigs. Nach seinem Tode beginnen 1267 unter den Söhnen die fortwährenden Teilungen.  

    Nach dem Tod von Otto dem Kind teilen seine Söhne Johann und Albrecht das Herzogtum unter sich auf. 1257 erfolgt die Einnahme von Harburg ("Horeburg") als nordwestliche Grenzsicherung. Die Stellung an der Elbe wird durch den Erwerb der Grafschaften Dannenberg und Lüchow sowie von Bleckede, Hitzacker und Gartow ausgebaut. Otto der Strenge, Nachfahre von Johann, verleiht an Harburg und Dahlenburg 1289 und an Celle 1292 Stadtrechte. Seine Söhne Otto und Wilhelm setzen seine Politik im Herzogtum fort, Otto in Braunschweig, Wilhelm in Lüneburg.                                                                                                                                            

Altes Haus Braunschweig
1252-1267 Albrecht I., der “Große” (“der Lange”; 1236-1279) und Johann gemeinschaftlich erweitern das Land um Wolfenbüttel, die Asseburg und weitere Ländereien.

    1267 wird das Herzogtum in die Teilfürstentümer Braunschweig und Lüneburg gespalten, wobei die Stadt Braunschweig mit den Stiftern St. Blasius, St. Cyriakus und St. Aegidien bis 1671 Besitz des Gesamthauses bleiben.

1267-1279 Albrecht der “Große”, Alleinregierung
1279-1291 Heinrich der Wunderliche (“Heinrich Mirabilis” 1267-1322), ältester Sohn Albrechts des Großen, Begründer der Linie Grubenhagen, Albrecht der Feiste und Wilhelm regieren unter seiner Vormundschaft bzw. gemeinschaftlich
1291-1292 Wilhelm (†1292)
1292-1318 Albrecht der Feiste (†1318)
1318-1344 Otto der Milde († 1344)

    1345 trennen sich Göttingen und Braunschweig. Braunschweig geht an Albrechts des Feisten Sohn

    1367 gibt Kaiser Karl IV. das Fürstentum Lüneburg zurück an die Askanierherzöge. Zwischen dem Welfenherzog Magnus II. Torquatus von Braunschweig und dem Askanierherzog Albrecht von Sachsen-Wittenberg kommt es zu Kämpfen um das Lüneburger Erbe. 1371 bricht der Erbfolgekrieg aus, in dem das "Alte Haus Braunschweig" das Fürstentum Lüneburg wieder an sich bringt. Die Stadt Lüneburg nutzt diese Situation dazu, sich von der landesherrlichen Einflussnahme zu emanzipieren und schlägt sich auf die Seite der Askanier. Am Abend des 1. Februar 1371 erfolgt der Sturm auf die Lüneburg. Der Versuch einer Rückeroberung mit einem Gegenschlag in der Nacht vom 20. auf den 21. Oktober 1371 (Ursulanacht) scheitert, die landesherrliche Einflussnahme auf die Stadt endet damit zunächst. Celle wird neuer Herrschaftssitz des welfischen Herzogs Magnus II, der sich in die dortige Burg flüchtet. 1378 wird die Residenz der braunschweig-lüneburgischen Herzöge vom Kalkberg in Lüneburg nach Celle verlegt. Die ursprünglich sehr einfache Anlage war 1318 erstmals als „castrum“ erwähnt worden und stammt in seinen ältesten Teilen aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Es wird nun zum Fürstenschloss ausgebaut.

1345-1369 Magnus I. (d. A. bzw. der Fromme; † 1369). Der Vormundschft durch die Braunschweiger Stiftsherren leid, beschließt er die nahegelegene Burg Wolfenbüttel, auf der er mit uneingeschränkter Macht herrschen konnte, als dauernde Residenz zu wählen. Er übergibt Braunschweig an seinen kriegerischen Sohn
1369-1373  Magnus II (Torquatus † 1373). Dieser verliert am 25. Juli 1373, in der Schlacht bei Leveste am Deister sein Leben. Nach dem Tod des Vaters übernahm als nächster Agnat (Blutsverwandter) der Onkel Friedrichs, Otto der Quade von Braunschweig-Göttingen die Vormundschaft über die vier unmündigen Söhne. In einem Vergleich übernimmt zunächsat der älteste der Brüder,
1373-1400 Friedrich ( 1400) die Regentschaft der Braunschweiger Lande. Bernhard und Heinrich übernehmen die Regentschaft in Lüneburg. Jedoch setzt Otto weiterhin alles daran, sich die nach Unabhängigkeit strebende Stadt Braunschweig untertänig zu machen. Tief ergriffen von dem Schicksal seiner Stadt verabredete Friedrich als rechtmäßiger Herrscher in geheimen Verhandlungen mit dem Rat der Stadt eine List. In einer handstreichartigen Aktion im Jahr 1381 befreite er Braunschweig von dem Joch seines eigenen Onkels und Vormunds. Ermordet 1400 beim Fürstentag in Frankfurt, beigesetzt im Dom St. Blasii zu Braunschweig (Corpus) bzw. neben seinem Onkel Otto dem Quaden im  im Kloster Wiebrechtshausen bei Northeim (Eingeweide, einer alten Sitte folgend). Die sinngemäße Übersetzung der Grabplatte im Dom lautet:
“Jm Jahr 1400 war eine Versammlung der Kurfürsten in Frankfurt wegen der Wahl eines Kaisers und die meisten Stimmen fielen auf den Herzog Friedrich von Braunschweig; wegen eines Widerspruches des Mainzer Bischofs (ist man) in Feindschaft auseinander gegangen und Herzog Friedrich ist trotz guten, sicheren Geleits bei Fritzlar erstochen und im Dom zu Braunschweig begraben (worden) ". Karte 1378

    Zwischen 1400 und 1409 werden die Fürstentümer Braunschweig und Lüneburg gemeinsam regiert. Nach dem Erwerb der „ertragreichen" Grafschaften Everstein (1408) und der Herrschaft Homburg (1409) kommt es allerdings zu erneuten Teilungen in die Fürstentümer Braunschweig und Lüneburg; das letztere kann weitgehend seine Einheit wahren. Zwar finden auch hier Abspaltungen in Form von Abfindungen für die Linien Harburg, Gifhorn und Dannenberg statt, aber in diesen Fällen „blieben dem in Celle regierenden Herzog bestimmte Hoheitsrechte über die abgesonderten Bereiche vorbehalten"

1400-1409 Bernhard (v. Lüneburg) und Heinrich der Milde († 1416) gemeinsam
1409-1428 Bernhard († 1434). Dieser begründete das

Mittlere(s) Haus Braunschweig,
             das sich zunächst seine Neffen Wilhelm und Heinrich teilten

1428-1432 Wilhelm der Ältere (“ der Siegreiche”) ( †1482)
1432-1473 Heinrich I., der Friedfertige (1411-1473). Nach langer Zeit ein Herzog dem nur noch das Land Braunschweig untersteht; das abgeteilte Calenberg geht an seinen Bruder. Unter seiner Führung gewinnt die Burg Wolfenbüttel immer stärker den Charakter einer dauerhaften Residenz, während Braunschweig Festivitäten und Repräsentation vorbehalten bleiben. Stirbt 1473 in Fehde mit der Stadt Braunschweig
1473-1482  nochmals Wilhelm der Ältere (“ der Siegreiche”) (†1482)
Karte 1477
1482-1491 Wilhelm II. (“der Jüngere” 1482-1503)

    1485-1486 unterstützt Braunschweig Hildesheim gegen seinen Bischof in der "Hildesheimer Fehde".  Im Gegenzug geht, mit Unterstützung der Stadt Hildesheim, geht 1492-1994 die "Große Stadtfehde" durch den Sieg der Braunschweiger bei Bleckenstedt verloren. Dies bedeutet das Ende gleichzeitiger Nutzung der Residenzen in Wolfenbüttel und Braunschweig. In der Folge, und schwerpunktmäßig ab 1495, wird Wolfenbüttel zu einer wirklichen Residenzstadt ausgebaut.

..an der Trinkhalle Bad Harzburg (11.12.09)1491-1514 Heinrich der Ältere. (1463-1514)
1514-1568 Heinrich der Jüngere (1489-11.06.1568; Umbau der mittelalterlichen Burg zum Schloss; leidenschaftlicher Gegner der Lutheraner, Seele des gegen den Schmalkaldischen Bund gerichteten Katholischen Bündnisses, Beginn der “Hexenverbrennnungen” im Lechlumer Holz,
Karte 1547. Die Enterbung seines dritten Sohnes, Julius, konnte nicht durchgesetzt werden:
<1568-1589 Julius zu Braunschweig-Lüneburg, (1528-1589) Großer Bauherr der Stadt, schafft aus der Festung die erste planmäßig angelegte Renaissancestadt-Anlage; gründet 1576 die Universität Helmstedt, der er zunächst die “Bibliotheca Julia” übergibt, die den Grundstock der heutigen “Herzog August Bibliothek” in Wolfenbüttel bildet. Deren späterer Umfang geht allerdings überwiegend auf ihren bedeutendsten Sammler, Herzog August den Jüngeren, zurück. Errichtet das Schloss Hessen; verstärkt die Bastionen aus den Anfängen des 16. Jahrhunderts zur Festung. Erwirbt / erbt Calenberg, Göttingen und Diepholz, wodurch diese für ein halbes Jahrhundert an das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel gebunden werden. Protestant!. Sein Sohn
1589-1613 Heinrich Julius (1564-1613) herrscht zur Zeit kultureller Blüte Wolfenbüttels. Seit 1566 Bischof von Halberstadt, Rektor der Universität Helmstedt, Präsident des Hofgerichts, Alchimist, Jäger, Schriftsteller, bindet 1592 erstmalig eine der fahrenden Theater-Compagnien an seinen Hof und gründet damit das erste stehende Theater Deutschlands)
1613-1634 Friedrich-Ulrich (1591-1634), sein Sohn, musste Grubenhagen an Lüneburg abtreten. Am 11.08.1634 löste der Tod Herzog Friedrich Ulrichs die Welfische Erbteilung aus.

    Schwarzer Herzog

    Heinrich Julius

    August d.J.

    Anton Ulrich

    Carl I.

     Ludwig-Rudolph

    Friedrich Wilhelm (“schwarzer Herzog”)

    Die Wolfenbüttler Linie des mittleren Hauses Braunschweig stirbt 1634 aus. Teilung des Herzogtums durch Abspalten des Fürstentums Calenberg-Göttingen-Hannover unter Herzog Georg (späteres Kurfürstentum Hannover). Beginn des

Neues/n Haus(es) Braunschweig


Alter Weg (heute)

1635-1666 August d.J. zu Braunschweig-Lüneburg, (1579-17.09.1666),ab 1604: Herrscher im Fürstentum Hitzacker; betreibt den Wiederaufstieg Wolfenbüttels nach dem 30jährigen Krieg; bezieht 1643 die Residenz Wolfenbüttel und überführt seine Büchersammlung aus Hitzacker (Karte 1648) Gründer eines Barocktheaters und der Bibliotheka Augusta; Standbild auf dem Stadtmarkt) schlägt nach Berichten von 1677 einen Weg durch das Lechlumer Holz, den “Alten Weg” (die spätere “Barockstraße” zwischen dem Lustschloss “Antoinettenruh”, über das Barockschlösschen [späteres Sternhaus] bis zum Großen Weghaus Stöckheim), erobert 1671 die Stadt und Festung Braunschweig. August wird von seinen drei ältesten Söhnen Rudolf-August, Anton Ulrich und Ferdinand-Albrecht überlebt.
1666-1685/1704
Rudolf August (1627-1704) stellt im Krieg gegen Frankreich 9000 Mann und gegen die Türkei 1685 (Schlacht bei Gran) 10 000 Mann. Unterwirft 1671 die Stadt Braunschweig und nimmt diese als Eigentum. Stirbt ohne männlichen Erben. Ihm folgt sein Bruder Anton Ulrich, der schon seit 1685 sein Mitregent ist.
1685/1704-1714
Anton Ulrich (1633-27.03.1714); Politiker, Kunstfreund und Dichter; Begründer des nach ihm benannten Museums in Braunschweig. Errichtet das Schloss Salzdahlum mit Bühne für Theateraufführungen im Sommer. 1688 entsteht in Wolfenbüttel ein Opernhaus, 1690 das Opernhaus am Braunschweiger Hagenmarkt). Wird 1710 katholisch. Sein ältester Sohn August Wilhelm, ein leidenschaftlicher Protestant, folgt ihm.
1714-1731
August Wilhelm (1662-23.03.1731) stirbt ohne Kinder, wird durch seinen Bruder befolgt:.
1731-1735
Ludwig Rudolf (1671-01.03.1735) seit 1714 Fürst von Blankenburg; verh. mit Christine Luise, Prinzessin zu Oettingen-Oettingen; Tochter: Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel-Lüneburg, 1691-1750, “die Gigantin”, Gattin Kaiser Karls VI von Österreich, Mutter Maria Theresias.

    Die Linie Wolfenbüttel stirbt mangels männlicher Nachkommen aus; Übergang auf die Nebenlinie

Braunschweig-Bevern
Ein kurzes, viermonatiges Zwischenspiel folgt, in dem der Gemahl der dritten Tochter Ludwig Rudolfs, Antoinette Amalie
1735 Ferdinand Albrecht II (1680-03.09.1735) aus der Linie Bevern dem Fürstentum vorsteht, sodann übernimmt dessen Sohn.
1735-1780
Carl I. (1.8.1713-26.3.1780) die Regierung. Verheiratet mit der Schwester Friedrichs des Großen. 1745 Gründung des “Collegium Carolinum” am Bohlweg in Braunschweig (1745-1877), Vorläufer der TU, genannt “Carolo Wilhelmina” nach seiner Person sowie nach Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg. 1765 Gründung des Leihhauses (Nord/LB), 1753 der Brandversicherung (Öffentliche Versicherung) sowie der Porzellanmanufaktur Fürstenberg. Unter seiner Politik erlebt Braunschweig eine kulturelle Blütezeit; 1753 wird die Residenz endgültig nach Braunschweig verlegt und der “Graue Hof” zum Residenzschloss ausgebaut.
1780-1806 Carl-Wilhelm-Ferdinand (1735-1806) genießt seit dem Siebenjährigen Krieg Heldenverehrung; heiratet 1764 in einer “politischen Ehe” Auguste, eine Schwester des britischen Königs Georg III.. Nach Anfangsjahren im Salzdahlumer Schloss wird Schloss Richmond, ein frühklassizistisches Projekt, zum Wohnsitz bis zur Regierungsübernahme 1780. Mit seinem englischen Park bleibt Richmond ein heiterer Gegenpol zur düsteren Residenz “Grauer Hof” am Bohlweg. Der Herzog stirbt 1806 in der Schlacht bei Jena und Auerstedt.
Karte 1786 ).

    1807 geht das ehemalige Fürstentum Braaunschweig-Wolfenbüttel unter Jerôme Bonapartes Herrschaft im kurzlebeigen (1807-1813) Königreich Westfalen auf. Karte 1812

Da der Erbprinz früh gestorben, zwei andere Söhne aber unfähig sind, trifft es den jüngsten Sohn Carl-Wilhelm Ferdinands:
1813-1815
Friedrich Wilhelm (1771-1815) seit 1807 Herzog von Oels/Schlesien, der “schwarze Herzog”. Heuert beim Ausbruch des Österreichisch-französischen Krieges 1809 in Boehmen ein Freicorps, die “schwarzen Husaren”an, bahnt sich seinen Weg über Braunschweig zur Nordsee. Als er 1815 in der Schlacht bei Waterloo fällt, hinterlässt er zwei minderjährige Söhne, Carl II. (*1804) und Wilhelm (*1806).

  • Auf dem Wiener Kongress (18.9.1814 bis 9.6.1815) wird nach der Niederlage des napoleonischen Frankreichs unter Fürst Metternich die politische Landkarte neu gezeichnet. Als Nachfolgestaaten entstehen das Königreich Hannover. Daneben wird Braunschweig-Wolfenbüttel in den alten Grenzen als “Herzogtum Braunschweig” wiederhergestellt:

    Das Herzogtum Braunschweig gliederte sich in folgende Verwaltungsorganisation:

  • 1. Kreis Braunschweig mit der Stadt Braunschweig und den Ämtern Riddagshausen,       Vechelde und Thedinghausen.
  • 2. Kreis Wolfenbüttel mit Stadt und Amt Wolfenbüttel, Schöppenstedt, Salder und Harzburg.
  • 3. Kreis Helmstedt mit den Ämtern Helmstedt, Schöningen, Königslutter, Vorsfelde und Calvörde.
  • 4. Kreis Gandersheim mit den Ämtern Gandersheim, Seesen, Lutter a. Bbge. und Greene.
  • 5. Kreis Holzminden mit den Ämtern Holzminden, Stadtoldendorf, Eschershausen und Ottenstein.
  • 6. Kreis Blankenburg mit den Ämtern Blankenburg, Hasselfelde und Walkenried. Quelle

Eisenbahn Braunschweig-Wolfenbüttel

16.06.1815 - 1823 Vormundschaftliche Regierung Georgs IV. von England bis zur Volljährigkeit von Carl II.
1823-20.04.1831 Herzog Carl II. (1804-1873) 1831 abgesetzt wie oben beschrieben, Regierungsgeschäfte übernimmt bereits ab 1830 inoffiziell  der jüngere Bruder.
20.04.1831 - 18.10.1884 Herzog Wilhelm (1806-1884); gründet die erste Staatseisenbahn Deutschlands, die mit einer Strecke im eigenen Herzogtum beginnt (von Braunschweig nach Wolfenbüttel; Karte oben), dann nach Harzburg (1838) und darüber hinaus führt. 1843 ”steht” die Anbindung von Wolfenbüttel über Oschersleben nach Magdeburg. 

    Mit Wilhelm erlischt das Haus Braunschweig; Braunschweig wird vorübergehend von Regenten verwaltet (Karte 1866 ):  

20.04.1884 - 02.11.1885 Präsident des Regentschaftsrates Wilhelm Otto Hans Hermann Graf von Schlitz
02.11.1885 - 13.09.1906 Regent von Braunschweig - Prinz
Albrecht von Preußen (1837 - 1906 )
13.09.1906 - 05.06.1907 Präsident des Regentschaftsrates Albert von Otto (1836 - 1921)
05.06.1907 - 01.11.1913 Regent von Braunschweig - Herzog
Johann Albrecht zu Mecklenburg (1857 - 1920)

Haus Hannover
01.11.1913 - 08.11.1918 Herzog Ernst August,  Sohn des Herzogs von Cumberland (1878 - 1953)

Seitdem...
1918 entsteht während der “Novemberrevolution” vorübergehend eine “Sozialistische Republik” und am 6. Januar 1922 erhält Braunschweig als Freistaat eine neue demokratische Verfassung. 1931 formiert sich eine bürgerliche Regierung unter Beteiligung der Nationalsozialisten (Minister Klagges). Trotz seiner geringen Ausdehnung und territorialen Zerrissenheit hat Brauschwieg als Einheit selbstbewusst über 800 Jahre Geschichte geschrieben.
         1946 wird die ehemalige preußische Provinz Hannover durch die allierten Mächte zum Freistaat erklärt, bevor sie wenige Monate später, am 1. November 1946, mit Teilen der ehemaligen Herzogtümer Braunschweig und Oldenburg sowie dem ehemaligen Fürstentum Schaumburg-Lippe zum
Bundesland Niedersachen zusammengelegt wird; Teilstücke gehen dabei auch an das heutige Bundesland Sachsen-Anhalt. Der braunschweigische Ministerpräsident Alfred Kubel, der das Land Braunschweig in den Vorbesprechungen vertrat, sieht sich Anfang November in der Presse heftiger Kritik ausgesetzt, da er die Unverletzbarkeit der Landesgrenzen preisgegeben und die lange Tradition des Landes nicht ohne Hinweis auf die unerfreulichen Züge und Schattenseiten bewertet habe. Man solle, so die Vorwürfe der Politiker, den Abgeordneten nicht nachsagen dürfen, dass Braunschweig sich gegenüber dem Zentralisierungsanspruch Hannovers kampflos gefügt habe.
           Braunschweig aber hatte im Gegensatz zu Oldenburg und Schaumburg-Lippe die Entscheidung letztlich nicht mehr grundsätzlich in Frage gestellt, es akzeptierte das Land Niedersachsen. Dennoch haben die Braunschweiger ihr Selbstverständnis bewahrt und sich in Niedersachsen von Anfang an eingerichtet. So meinte der erste Bundespräsident Theodor Heuss einmal: „
Die herrschende Schicht in Niedersachsen sind eigentlich die Braunschweiger."
        
 

 

Weblinks

Braunschweig

Fürstentum BS-Wolfenbüttel

Herzogtum Braunschweig

Herzogtum Braunschweig-Lüneburg

 

 

Welfen: Stammtafel

 

Schloss um 1924

Braunschweiger Schloss: Anfang, Ende und Neuanfang (?):Schloss-Abriss 1960
Das Braunschweiger Schloss wurde von Carl Theodor Ottmer errichtet, nachdem 1830 der “Graue Hof” in Flammen aufgegangen war. Als Herzog Wilhelm 1831 die Regierungsgeschäfte übernahm, übertrug er dem Baumeister Peter Joseph Krahe die Neuplanung der Schlossanlage. Diese sollte ursprünglich den heutigen Theater- und Schlosspark im Westen mit einbeziehen. Im Osten sollte der Nussberg die natürliche Grenze sein. Im Norden sollte der Park bis zur heutigen Karlstraße gehen und im Süden bis zur Ebertallee. Nach diesem grandiosen Plan hätte der Schlosspark Sancoussi übertroffen.
         Der 1837 vollendete prunkvolle Ottmerbau des Schlosses selbst verkörperte die Jahrhunderte währende braunschweigischer Selbstständigkeit:
Der Portikus vereinte die höchste bauliche Würdesymbole der Architekturgeschichte: die griechische Tempelfront, darunter das römische Triumphtor, und über allem als baulicher Mitteltrakt  eine Attika als Sockel für die Quadriga.

    Der eindrucksvolle Westflügel zur Stadt blieb zunächst ohne weiteren Figurenschmuck. In seinen ersten Plänen hatte Ottmer zwei Varianten für die Wagenlenkerfigur einer Quadriga vorgesehen: die Siegesgöttin Victoria oder den Musengott Apollon. Beide Entwürfe sollten mit ihrer allegorischen Darstellung die weise und den Musen zugewandte Staatsleitung symbolisieren. Nach Ottmers Tod 1843 war es Carl Schiller, der bekannte Braunschweiger Privatgelehrte, der an dem Projekt einer Quadriga festhielt. 1855 wurde der Dresdner Bildhauer Ernst Rietschel (Braunschweiger Lessing-Standbild von 1853) mit dem Entwurf beauftragt. In der Diskussion mit Schiller wurde aus der ursprünglich als Lenkerin vorgesehenen Gottheit Victoria die Braunschweigische Landespatronin „Brunonia". Aufgrund seiner großen künstlerischen und handwerklichen Fähigkeiten wurde Georg Howaldt mit der Herstellung betraut.

Zwei Triumphsäulen mit Figurenschmuck, römischen Vorbildern nachempfunden und ursprünglich mit Gottheiten bekrönt, flankierten den Trakt. Mit seinen sieben Achsen  war der Portikus ein eigenständiger Baukörper.
         Es folgten die großen Repräsentationssäle des braunschweigischen   Herzogtums: Vorn der große Ballsaal mit heiteren ionischen Säulen, dahinter der Rundsaal mit der Haupttreppe, die Rotunde in festlicher korinthischer Säulenordnung, beide über zwei Stockwerke ausgebaut, und darunter im Erdgeschoss ein großes Vestibül, aus zwei Reihen dorischer Säulen. Durchschritt man diese Räume, so gelangte man in klassizistische Raumschöpfungen.
         Auch dieser Bau  fiel  einem Feuer zum Opfer: Herzog Wilhelm hatte am 23. Februar 1865 zum Ball geladen, als gegen 30:30 in seinen eigenen Appartments, Nordflügel 1. Etage,  ein überhitzter Ofen einen Schwelbrand ausgelöste. Da man den Brand schnell unter Kontrolle wähnte, tanzte die Gesellschaft ungestört weiter. Doch das Feuer entfachte von neuem und breitete sich in Windeseile aus. Die gesamte nordwestliche Schlosshälfte brannte aus, um 23:20 stürzte die erst im Vorjahr aufgestellte Quadriga 20 Meter tief durch den Ballsaal bis ins Vestibül des Mitteltraktes. Während die Untertanen den Bruder Wilhelms, Carl II., durch Brandsetzung noch im Jahre 1830 selbst vertrieben hatten, bildeten sie diesmal eine Wasserkette von der Oker bis zum linken Schlossflügel. Sie werden jedoch von den "Herren Officieren, die vorwitzig das Feuer im herzoglichen Residenzschlosse zu löschen allein die Ehre haben wollen, zurückgetrieben und die Wassereimer mittels Fußtritten umgeschüttet... Die Feuerturner...waren schon lange angelangt und hatten sogar schon Schläuche gelegt, wurden aber gleichfalls auf Befehl zurückgewiesen. Als der Dachstuhl aber auch Feuer fing, wurden sie wieder zugelassen und die Leute, die vorher freiwillig Wasser getragen hatten, per Polizeidiner zum Anfassen requirirt, weil sie sich jetzt aus Wuth über den verkannten Willen sträubten”
(Julius Feise, 1865). Der untröstliche Herzog musste mit ansehen, wie zwei Drittel seines Schlosses zerstört wurden.  Die Rekonstruktion erfolgte 1866 bis 1868 unter dem Hofbaumeister Carl Wolff. Mit der feuerfesten Konstruktion des Daches wurde die Firma beauftragt, die mit dem Kölner Domdach bis dato die größte Eisenkonstruktion überhaupt ausgeführt hatte (Cölner Maschinenbau-Actien Gesellschaft Bayenthal). 1889 bentwickelte der damalige Stadtbaurat Ludwig Winter gigantische Pläne eines Schlossparks mit einem Schloss in der Nachbarschaft der Riddagshäuser Teiche. Eine Prachtstraße sollte dieses Schloss über den Nussberg hinweg mit dem Burgplatz verbinden. Alles eine Nummer zu graoß, aber die Allee zwischen Theater und dem heutigen Stadtpark wurde tatsächlich realisiert.
         Nach der Abdankung von Ernst-August wurde das Schloss zwischen dem 1. März und dem 17. April 1919 zum Mittelpunkt einer kurzlebigen Braunschweiger Räterepublik; in dieser Zeit wurde auch der Hofstaat aufgelöst. In die freiwerdenden Räume im ersten Obergeschoss zog das Schlossmuseum ein, wobei der Große Ballsaal und die angrenzenden Säle zum Theaterraum des Kleinen Hauses des Staatstheaters gemacht wurden. Der Nordflügel nahm im Erdgeschoss die Öffentliche Bücherei auf, das zweite Obergeschoss das Naturhistorische Museum, das Historische Seminar der Technischen Hochschule und die Luftverkehrsstelle des Landes. Somit befriedigte die ehemalige herzogliche Residenz in den zwanziger Jahren den steigenden Platzbedarf als intensiv genutztes "republikanisches Schloss". Am 29.6.1935 wurde der Bau unter dem Reichsführer Heinrich Himmler zur
SS-Junkerschule, bevor es am 15. Oktober 1944 durch Bomben endgültig schwer beschädigt wurde und ausbrannte (Bild). 1960 wurde der Restbau nach einem spektakulären Ratsbeschluss aufgrund der hauchdünnen SPD-Mehrheit abgerissen - für Braunschweig ein Stich ins Herz. Dabei ließ man beim Portikus, im Gegensatzt zu den anderen Teilen, Rücksicht walten: er wurde vorsichtig zerlegt, nummeriert und in einer Grube am Madamenweg eingelagert. Herausragende Teile wie Reste von Figuren wurden auf dem städtischen Bauhof an der Ludwigsstraße verwahrt, Säulenkapitelle bildeten den Rahmen eines Wasserbeckens im späteren Schlosspark. Der Rest wanderte auf das Gelände des Kleingartenvereins Holzenkamp am Madamenweg, wo sie eine Grube mit 45 x 30 Metern füllen. Schicksalhaft erscheint, dass die meisten der in Braunschweig reichlich vorhandenen NS-Buaten und Parteigebäude die Zeit bis heute überdauert haben, während das Schloss, ein einzigartiges Zeugnis spätklassizistischer Baukunst in Europa, gegen alle Vernunft weichen musste.
         Ab 2006 wurde das Schloss im Zuge des Baus eines ECE-Einkaufszentrums “Schloss - Arkaden” weitestmöglich nachgebildet, wofür im März 2004 vier Parzellen des Gartenvereins vorübergehend “auf den Kopf gestellt” wurden. Von den 64 zu rekonstruierenden Achsen des Gebäudes konnten ganze acht aus dem Bestand rekonstruiert werden: der Portikus mit einer Höhe von 24 Meter, einer Länge von 30 Meter und einer Tiefe von 6 Meter. Erste Grabungen auf dem Schlossgelände förderten Überreste der alten Barockgartenanlage zutage, darüber hinaus eine Reihe von Säulensockeln. Diese deutet  man als Reste der ursprünglich geplanten Kolonnaden, die sowohl den Schlossvorplatz als auch den Gartenbereich zieren sollten, die aber aus Kostengründen aufgegeben wurden.

 

Man kann es kaum treffender sagen als Ralph-Herbert Meyer in der BZ vom 23. Juni 2007
Keine Feier ohne Meyer
Erster Spatenstich, Richtfest, Fertigstellung der Fassade, Eröffnung der Schloss-Arkaden, Fertigstellung des Schlosses, heute Eröffnung der Kultureinrichtungen, am 3. Juli Umzug der Reiterstandbilder und irgendwann kommt (hoffentlich) auch noch die Quadriga. Keine Feier ohne Meyer.
         Und mir reicht's noch immer nicht. Es hätte noch so viele freudige Anlässe  gegeben, Braunschweig ins rechte Licht zu rücken: Einweihung der Fahrradständer, erstes Auto auf dem Parkdeck, erste Vorbeifahrt der neuen, schadstoffarmen Busse, 100. Komplettreinigung des Vorplatzes. Alles vergebene Chancen. Einziger Trost: Wir können das nachholen. Zum Beispiel, wenn die Radständer ein Jahr vor dem Schloss stehen, oder so.
         Ich bin schon in Partylaune.

Seit Mai 2007 steht es nun wieder. Und seinen Spitznamen hat es auch sogleich erhalten: Das “VORHÄNGESCHLOSS”. Vor dem Einkaufszentrum erstreckt es sich in 116 Metern Breite. An den Seitenflügeln ist es 60 Meter tief und inklusive Quadriga wird es 40 wird es Meter hoch ssein - aber das ist eine andere Geschichte. Nostalgisch, wie wir nun mal sind, halten wir eine Bilderserie (eigene Fotos von 1960) bereit, einfach hier clicken. Diese zeigt den damaligen Zustand und die Abrissarbeiten. Die Serie schließt mit einer filigranen Steinmetzarbeit, die bei den Ausgrabungen in sehr gutem Zustand zutage gefördert wurde. Bei Anklicken des jeweiligen Bildes folgt das nächste.

* Weblinks

aus dieser HP abgeleitete Seite(n) in Wikipedia:

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