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Die Jahrhunderte alte verwaltungsmäßige Einheit des Braunschweiger Landes hat ihre eigentlichen Wurzeln in einer 1235 verfassten Urkunde, die heute im Niedersächsischen Staatsarchiv in Wolfenbüttel am Forstweg lagert (zu besichtigen auf Anfrage. Tel. 05331-935-0). Die Urkunde wurde in der Reichskanzlei Friedrichs II. gefertigt und folgt dem prächtigen Stil italienischer Urkunden. Das Dokument schlichtete damals den Streit, der zwischen Heinrich dem Löwen und seinem Vetter, dem staufischen Kaiser Friedrich Barbarossa begonnen hatte. Auf dem Hoftag in Mainz kommt es zur erneuten Versöhnung zwischen den Welfen und Staufer Kaiser Friedrich II. (dem Großen). Dieser erhebt den einzigen noch lebenden Enkel Heinrichs, den Welfen Otto das Kind, in den Reichsfürstenstand als Herzog zu Braunschweig. Man kann das sehr wohl als Gründung des Herzogtums Braunschweig bezeichnen. Schon die Erben Ottos teilen das neue Herzogtum untereinander auf. Johann (1257-1277), der Begründer des Hauses Lüneburg, übernimmt das nördliche Gebiet mit Lüneburg und Celle. Albrecht (1252-1279), der Stammvater des Alten Hauses Braunschweig, erhält Gifhorn, Einbeck und Göttingen. Die Stadt Braunschweig mit der Burg und den Stiften St. Blasius, St. Cyriakius und dem Aegidienkloster bleiben gemeinschaftlicher Besitz beider Herzöge. Das zum Reichsfahnlehen erhobene Herzogtum Braunschweig-Lüneburg (1235-1754) durch Erbteilung in verschiedene Teilstaaten zerfällt. So resultieren im 13. bis 15. Jahrhundert fünf Fürstentümer:
Die Vormachtstellung des Wolfenbüttler Fürstentums verstärkt sich in der Großen Stiftfehde mit dem Hochstift Hildesheim (1519-1523), in der es Heinrich dem Jüngeren zusammen mit dem Calenberger Fürsten gelingt, dem Hochstift zwei Drittel des Territoriums zu entreißen. Dabei wird das Vorharz-Gebiet mit den Gebieten im Weserbergland verbunden. Von 1584-1634 gehören Calenberg und Göttingen zu Wolfenbüttel und von 1596-1617 ist Grubenhagen von Wolfenbüttel annektiert, so dass in dieser Zeit drei der welfischen Territorien einem Fürsten und einer Regierung unterstehen. Trotz der zahlreichen Teilungen ist festzuhalten, dass es immer nur ein Herzogtum Braunschweig-Lüneburg gab und dass alle welfischen Fürsten den Titel eines “Herzogs von Braunschweig-Lüneburg” trugen!
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Das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel entspricht im 15./16. Jahrhundert etwa dem späteren Herzogtum Braunschweig. Bis etwa 1432 hatten die welfischen Herzöge ihre Residenz in Braunschweig, ehe sie, müde des Dauerstreits mit den stolzen Hansestädten, ihre Residenz im zwölf Kilometer stromaufwärts gelegenen Wolfenbüttel errichten. Das hier entstandene SCHLOSS der Braunschweig-Lüneburgischen Herzöge wird - im Verbund mit der herzoglichen Kanzlei, dem Konsistorium, den Gerichten, und dem Archiv - zur Schaltzentrale eines riesigen Gebietes, von der aus d er Wolfenbüttel-Braunschweigische Teil des Gesamtherzgtums regiert wird. Um 1600 erreicht das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel mit einem Gebiet von Minden bis Halberstadt seine größte Ausdehnung, da ihm nun nicht nur die Fürstentümer Calenberg-Göttingen und Grubenhagen und große Gebiete des Fürstbistums Hildesheim unterstehen, sondern auch das Fürstbistum Halberstadt und die Grafschaften Hohnstein und Regenstein, die Herrschaften Klettenberg und Lohra sowie Teile von Hoya an der Unterweser. In Wolfenbüttel entspricht die Zahl benötigter Handwerker der Bedeutung des Hofes. Für diese und andere herzogliche Einrichtungen entstehen hunderte von Fachwerkgebäuden, anfangs ungeordnet, später auf herzoglichen Befehl ausgerichtet und brandtechnisch abgesichert. Auf dem Höhepunkt der Stadtentwicklung folgt der Heinrichstadt die Auguststadt im Westen und die Juliusstadt im Osten.

Ein düsteres Kapitel, auch unserer lokalen Geschichte, ist die Hexenverbrennung,
die durch die “Hexen-Bulle” von Past Innozenz VIII. im Dezember 1484 eingeleitet wird. Ihren Höhepunkt erreichte sie zwischen 1560 und 1630. Die Herzogliche Hinrichtungsstätte befand sich im Lechlumer Holz, wo Herzog Heirich der Jüngere zum Beispiel an einem Tage des Jahres 1565 zehn “Zaubersche” verbrennen ließ. Sein Nachfolger, Herzog Julius, lehnte als erster evangelischer Fürst, Hexenverfolgungen, die “der gesunden Vernunft widerlaufen” ab und setzte zahllose Freisprüche durch. In die Zeit von Herzog Heinrich Julius fällt erneut die Verbrennung von 97 Frauen und 17 Männern. 50 weitere Personen wurden verbrannt, drei enthauptet, eine starb in der Haft, 39 wurden freigelassen und vier ausgewiesen. August der Jüngere (bis 1666) setzte diese unrühmliche Tradition vehement fort. An der Richtstätte führte die alte Heer- und Handelsstraße vorbei -
den Menschen zur Mahnung und Abschreckung. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts blieb der Ort die zentrale Hinrichtungsstätte im Braunschweiger Land, sie bestand zeitweise aus acht Richtepfählen, sechs Rädern und drei Galgen. 1759 wurde sie
mit zwei Pfählen, einem Rad und zwei Galgen auf den Wendesser Berg, östlich von Wolfenbüttel, verlegt.
Als am 11.08.1634 Herzog Friedrich Ulrich in Wolfenbüttel kinderlos stirbt, kommt es 1635 zur letzten großen Welfischen Erbteilung, aus der das Fürstentum in wesentlich verkleinertem Umfang hervorgeht. Nachdem Herzog Georg von Calenberg schon am 22.08.1634 Stadt und Stift Hildesheim erobert hatte, treffen sich am 14. Mai 1636 die welfischen Herzöge von Calenberg, Lüneburg und Wolfenbüttel in Peine zur Abstimmung, doch bleibt es das erklärte Ziel Georgs, das Gesamthaus Braunschweig-Lüneburg in bewaffneter Neutralität zu vereinigen. Nach kriegerischen Auseinandersetzungen übernimmt Herzog August d. J. von Dannenberg im Alter von 56 Jahren die Herrschaft über Wolfenbüttel.
Vor dem Dreißigjährigen Krieg gab es in Nordwestdeutschland mehrere selbständige Städte, die unabhängig von ihrem Landesherren Politik betrieben - darunter die Partnerstädte Magdeburg und Braunschweig. Im Krieg konnte der Braunschweiger Rat die Stadt durch eine konsequente Neutralitätspolitik noch aus den Kriegshandlungen heraushalten, dennoch wurde sie durch die Wirtschaftsnot der Nachkriegsjahre schwer getroffen. Dies führte schließlich zur Übernahme durch Herzog Rudolf August von Braunschweig-Wolfenbüttel, denn niemand war bereit einen Krieg für die Freiheit Braunschweigs zu riskieren. Die komplizierten Erbrechte des welfischen Herrscherhauses ließen allen Familienzweigen ein Mitspracherecht, wobei Braunschweig noch das Glück hatte, dass die Verwandten des Herzogs in Celle und Hannover beschwichtigend auf die überzogenen Forderungen Rudolf Augusts einwirkten. Dennoch entging die Stadt nicht der Stationierung einer Garnison und den damit verbundenen Einschränkungen der städtischen Freiheit und 1671 der Unterwerfung (s.u.).
Hochwasser als Tiefpunkt der Residenzstadt welfischer Herzöge. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts lag die Festung Wolfenbüttel in den Händen des Dänen-Königs Christian IV. Im 30-jährigen Krieg wurde es mit der Schlacht bei Lutter am Barenberge (1626) in die Krieghandlungen verwickelt und im September 1627 rückte der Kaiserliche Generalwachtmeister Graf zu Pappenheim mit einem Heer vor die Stadt, um dem Dänenkönig den letzten südlichen Stützpunkt zu entreißen. Als Eroberer ließ er die Festung Wolfenbüttel ringförmig durch Schanzen umgeben und die Oker durch den fälschlich so genannten “Schwedendamm” am Lechlumer Holz aufstauen. 700 Meter war das Okertal an dieser Stelle breit. Eilig angelegte Schanzen wie die “Schweden-Schanze” sicherten das Bauwerk aus Erde und Ton. Zu Weihnachten 1628 wurde die bis dato durch Beschuss nicht zu gewinnene Festung dann unter Wasser gesetzt. Wie die Namensgebung Schwedenschanze / Schwedendamm zeigt, schrieb man damals alles Übel den Scheden zu, tatsächlich jedoch griffen diese erst 1630 in die Kampfhandlungen ein, und waren am zweiten Aufwerfen des Dammes 1641 beteilgt. Die eigentlichen Wiederholungstäter waren diesmal allerdings die kaiserlichen Truppen der katholischen Liga im Verband mit den übrigen Fürsten des Welfenhauses, den Hessen und den Weimarern, die Herzog August dem Jüngeren (1635-1666) den Einzug in Wolfenbüttel verwehren wollten. Dieser Einzug gelang erst 1643.
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Der Begriff “Absolutismus” verbindet sich zunächst mit der Person Ludwigs XIV
(1661-1715), der die staatliche Gewalt in seiner Person verkörpert. Im Hause Braunschweig kann Anton Ulrich (1685/1704-1714) als Musterbeispiel eines
absolutistischen Fürsten gelten. Das Schlüsselereignis, das dem vorausging, war die Unterwerfung der Stadt Braunschweig 1671. In einer Anstrengung des gesamten Welfenhauses (Wolfenbüttel, Celle, Calenberg), war unter Führung von Rudolf August (1666-1704) die längst anachronistisch erscheinende Selbständigkeit der Stadt beendet worden, so dass Braunschweig Teil des Hauses Wolfenbüttel geworden war.
Ende des 17. Jahrhunderts verliert das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel durch Vereinigung der drei anderen welfischen Fürstentümer (Lüneburg, Grubenhagen und Calenberg) stark an Einfluss. 1692 wird durch Herzog Ernst-August von Cumberland gegen den erbitterten Widerstand der Wolfenbüttler Linie für Hannover die Kurwürde durchgesetzt. 1705 wird die Vereinigung des Fürstentums Lüneburg mit Calenberg-Göttingen-Grubenhagen zustande gebracht, dessen Verwaltungsbehörden in Hannover zusammengeführt werden, und das als “Königtum Hannover” in die Geschichte eingeht. Ab 1714 besteht Personalunion mit dem Königreich Großbritannien. Damit ändert sich die Situation in sofern noch einmal, als der Hof in Wolfenbüttel die einzige in Niedersachsen verbliebene Repräsentanz des Welfenhauses ist. Entsprechend scheint unter den Herzögen August-Wilhelm (1714-1731) und Ludwig-Rudolf (1731-1734) der Wolfenbüttler Einfluss in Norddeutschland noch einmal zuzunehmen.
Die seit dem 15. Jahrhundert bestehende städtische Unabhängigkeit Wolfenbüttels geht verloren, als die welfischen Landesherren ihre Residenz ab 1732 und bis 1753 unter Carl I. in das inzwischen abhängige Braunschweig zurückverlegen. Der Herzog vollzieht damit, was Trend geworden ist und dabei stört auch nicht, dass der von Hermann Korb 1717 begonnene Schlossneubau am “Grauen Hof” noch nicht fertiggestellt ist.
Schon 1588 hatte Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel den Stadthof der Zisterzienser erworben. Nachem die Herzöge 1671 ihre mittelalterliche Residenzstadt Braunschweig zurückerobert hatten, entstand aus dem zwischenzeitlich als Gasthof genutzen Gebäude (zusammen mit Teilen der Burg Heinrichs des Löwen) die erste neue Stadresidenz. Zwischen 1717-1736 wurde das Gelände am Bohlweg unter Hermann Korb und 1745-1754 unter Martin Peltier mit einem großen Stadtschloss bebaut, dessen 100 Meter langen Seitenflügel mit schmalem Mitteltrakt mit seiner U-Form tief in den Stadtkörper eingriff. 1783-1791wurde der Bau in spätbarocken Formen vollendet. Nach dem Brand von 1830 wurde der Bau durch den 1837 fertiggestellten prunkvollen Ottmerbau ersetzt, der den zweiten Weltkrieg schwer beschädigt überstand.

Grauer Hof - Der Name geht auf den Stadthof der Riddagshäuser Zisterzienser zurück, der hier zuvor gestanden hatte. Er leitete sich wohl von den nicht mehr ganz so weißen Kutten der Mönche ab. Der Name wurde auf das Barockschloss übertragen, dessen Wurzeln auf August Wilhelm (1671), den Bruder Anton Ulrichs, zurückgehen. Architekt: Hermann Korb. Sollten Bilder mit Schrift überlappen: Schriftgrad bitte auf “sehr klein” stellen [Explorer: Ansicht->Schriftgrad->sehr klein] oder Bilder einfach weg-clicken
Die Auswirkungen auf Wolfenbüttel sind katastrophal: 4000 Bürger folgen der herzoglichen Familie und Wolfenbüttels Bevölkerung
sinkt von ehemals 12000 auf 7000. Lediglich das Archiv, das Kirchenamt und die Bibliothek bleiben als Brücke zurück. Aus
Brauschweig vernimmt man Spott: Wolfenbüttel sei zum “Witwensitz” verkommen, man nennt es auch “Lumpenbüttel”. Die weiten
Gartenflächen vor den drei Stadttoren (Herzogtor, Harztor, Augusttor) werden den ehemaligen Gärtnern auf Erbpacht überlassen. Als
Folge daraus entstehen zahlreiche Konservenfabriken. Vor dem Herzogtor wächst die Zahl der Gärten, die sich schließlich bis zum
Lechlumer Holz erstrecken. An dessen Südrand grüßt das 1733 anstelle eines Gartenhauses errichtete Lustschlösschen Antoinettenruh,
ein Werk des für Wolfenbüttel so bedeutsamen Baumeisters Korb. Wolfenbüttel wird zur Stadt der Schulen, 1753 wird das Lehrerseminar gegründet, das im Waisenhaus beginnt und später in das Gebäude der heutigen Harztorwall-Schule umzieht.
In Carls I. Epoche fallen große Leistungen auf kulturellem und wissenschaftlichem Gebiet: das Theater wird gefördert und die
Bildung vorangetrieben. 1753 wird das herzogliche Kunst- und Naturalienkabinett - Vorläufer des Naturhistorischen Museums,
gegründet. Die reichhaltigen Sammlungen waren von den braunschweigischen Herzögen zusammengetragen worden war. Gefördert
wird dieses Vorhaben von Abt Jerusalem, dem Gründer des Collegium Carolinum (später: Technische Hochschule/Universität Carolo Wilhelmina). Nicht mehr Wolfenbüttel, sondern Braunschweig erlebt nun eine kulturelle Blüte.
Das einnehmende Wesen der Braunschweiger Herzöge. Die Herzöge zeigten sich einfallsreich wenn es darum ging ihre Untertanen zu schröpfen und zu bevormunden. In
seinem Band (2005) weist Roger Klittich viele Ankündigungen neuer Steuern nach, aber keine einzige Mitteilung, die eine bestehende Abgabe aufgehoben hätte. Die Herzöge
bedienten sich mitleidloser Steuereintreiber, die Steuersünder noch im letzten Winkel aufspürten. Diese Bevollmächtigten hatten auch das Recht zu strafen. Was ein Herzog
anordnete, war amtlich und konnte auf dem Gerichtswege unter keinen Umständen angefochten werde
Besonders gerne verfassten die Herzöge Edikte zum Thema Bier. Am 6. August 1770 erließ Herzog Carl I. eine „extraordinaire" Biersteuer, von der wenige befreit blieben,
etwa die Prälaten, Prediger, Kirchen - und Schuldiener. Ein Jahr später drohte er den säumigen Steuerzahlern unter den Brauern mit der Strafe einer doppelten Steuer. Auch
griff er mehrfach regulierend in das heimische Brauchtum ein. So verbot er 1745 den Pferdejungen auf den Dörfern, am dritten Pfingsttag Wettläufe mit dem Pferde zu veranstalten und ”als wilde Leute auf unbändigste Weise in den Feldern und Wiesen herumzujagen”. Eine Verordnung vom 9. Januar 1776 vebot „Schießen bey Hochzeiten und Kindtaufen".
Auf dem platten Lande müssen die Sitten besonders rau und seltsam gewesen sein, denn 1770 erließ Herzog Carl eine Verordnung gegen die damals weit verbreitete
Unbarmherzigkeit, nicht ortsansässige Kranke abzuschieben. Der Herzog ordnete deren Unterbringung, Verpflegung und Versorgung durch die Gemeinden an. Bis ins Detail
ausgefeilt waren 1790 die Vorschriften für den Gebrauch von Postkutschen. Da ließ sich Karl Wilhelm Ferdinand alle möglichen Bestimmungen über Tarife, Meilengelder,
Nachtzuschläge, Trinkgelder und Vorbestellung der Pferde einfallen. Insbesondere verbot er das Schlagen der Postpferde Peitschen und Stangen. Diesen „Unfug" belegte der Regent mit einer Strafe von 10 Thalern
Immer wieder machten sich die Herzöge Gedanken über das ungebührliche Verhalten ihrer Untertanen. Für die Universität Helmstedt stellte Carl 1778 einen Kirchen- und
Schulaufseher ein, der jene Studiosi im Auge behalten sollte, deren Unfleiß und deren Ausschweifungen sich bis ins Herzoghaus herumgesprochen hatten. Der besonders
ediktfreudige Carl untersagte ferner 1743 das Sammeln von Geld an Martini, Weyhnachten und Neujahr, weil „die Erfahrung lehret, daß ..... die gesammelten Gelder zum
Prassen und Gesöff verwandt" werden”.
Im August 1784 hielt sich Goethe in politischer Mission in Braunschweig auf, als er als Weimarscher Minister seinen Herzog Carl August begleitete (vergl. Anna-Amalia). In einer Situation, in der sich die politische Lage zwischen Österreich und Preußen nach dem Siebenjährigen Krieg wieder einmal zugespitzt hatte, planten die deutschen Klein- und Mittelstaaten als ausgleichende Kraft einen Fürstenstaat. Herzog Carl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig sollte für diesen Fürstenbund gewonnen werden, was auch gelang (30. August). Die geheime Mission war als Familienbesuch zur Zeit der Herbstmesse getarnt; das Hofleben bestimmte den Aufenthalt, wohnte man doch im Residenzschloß am Bohlweg. Nicht ohne Ironie berichtet Goethe: „was unseren guten Herzog anlangt, so langweilt er sich schrecklich. Er möchte gern Anteil nehmen, möchte gerne was bedeuten. Der streng bemessene Gang des ganzen hiesigen Tuns und Treibens nagt ihn und eine Fee könnte ihm keinen angenehmeren Dienst erweisen, als wenn sie diesen Palast in eine Köhlerhütte verwandelte" (18. August).....”Wir haben hier allerlei Interessantes erlebt... dafür hat's aber auch lange Sitzungen gegeben in der Oper, an der Hoftafel; zumal die letzteren langweilen mich entsetzlich" (21. August).
Im Zeitalter der Aufklärung entlädt sich die allgemeine politische und soziale Krise in Frankreich 1789 im Sturm auf die Bastille, dem
Beginn der Französischen Revolution. Das “Ancien Régime”, die Adelsherrschaft, wird durch die Herrschaft des Bürgertums ersetzt, dadurch wird europaweit ein Strukturwandel, die “Industrielle Revolution”, ausgelöst. Mit Billigung von Herzog Carl-Wilhelm-Ferdinand unternimmt auch die Braunschweig-Wolfenbüttler Regierung in der Innenpolitik einige kühne Schritte in
dieser Richtung, ehe sie durch die konservative Opposition aus Klerus und Landadel gebremst wird. Zunächst ist die Regierung
bemüht, dem Kriege aus dem Wege zu gehen und sie hält die eigenen Truppen klein. 1806 wird das Fürstentum ohne Gegenwehr von
Französischen Truppen besetzt und dem Königreich Westfalen mit der Haupstadt Kassel zugeschlagen. Dieses untersteht Napoleons
Bruder Jérôme, der mit seinem “Musterstaat” den Deutschen die Errungenschaften der Französischen Revolution näherbringen will. In der Folge entstehen das Oker-, das Leine- und das Harz-Département.
Wenig später erzeugen die hohen Steuern und Truppenaushebungen erhebliche Miss-stimmung. Carl-Wilhelm-Ferdinand
befehligt jetzt die preußische Armee gegen Napoleon I., ehe er am 14. Oktober 1806 bei Auerstedt einen Augendurchschuss erleidet. Bei einem kurzen Aufenthalt in Braunschweig kann er noch die Erbfolgerechte für seinen Sohn Friedrich-Wilhelm festlegen, ehe er am 10.11.1806 in Ottersen bei Hamburg verstirbt. Als Friedrich Wilhelm, der “Schwarze Herzog”, 1809 seinen kühnen Zug von Sachsen durch Braunschweig bis zur Nordsee unternimmt, versagt die Westfälische Armee. 1814 endet das Königreich Westfalen mit dem Wiener Kongress und es entstehen als Nachfolgestaaten das Königreich Hannover und das Herzogtum Braunschweig. Während das
Bürgertum im industrialisierten England im Wohlstand lebt, herrschen hier nach der Missernte von 1830 Arbeitslosigkeit, Hunger und große Unzufriedenheit. Herzog Carl II. bringt die Bevölkerung durch seinen ungeschickten Regierungsstil und sein absolutistisches Gehabe gegen sich auf, was in einen Volksaufstand mündet: Der oben erwähnte “Graue Hof” wird 1830 von Kleinbürgern,
Handwerkern und Arbeitern gestürmt und eingeäschert, Carl II. bleibt nur die Flucht in die Schweiz - im Gepäck Kunstwerke von
unschätzbarem Wert. In Braunschweig können derweil Recht und Ordnung nur durch die von Ratsherr Wilhelm Bode gegründete
Bürgerwehr aufrechterhalten werden. Carl II. wird in Abwesenheit für regierungsunfähig erklärt, die Regentschaft wird seinem jüngeren Bruder Wilhelm (dem zunächst letzten
Mitglied der Welfischen Linie) übertragen. Unter diesem unverheiratet regierenden
Herrscher durchlebt das Herzogtum bis 1884 eine Neutralitätsphase als kleiner Staat, der weder mit Österreich noch mit Preußen verbündet ist. Nachfolger wird dann auf Bestreben Preußens nicht ein Welfischer Hannoveraner (Herzog Ernst August von Cumberland war ausersehen), sondern Prinz Albrecht von Preußen: das Herzogtum stand bereits seit dem Deutschen Krieg von 1866 bis 1911 unter der Verwaltung des Königreichs Preußen. Erst mit der Hochzeit zwischen Victoria Luise (Tochter Kaiser Wilhelms II.) und Prinz Ernst August von Braunschweig-Lüneburg, Sohn des
Herzogs von Cumberland, am 24.05.1913, kommt es zur Aussöhnung zwischen Welfen und Hohenzollern und es wird noch einmal ein Welfe zum Herrscher. Am Ende des Ersten Weltkrieges dankt der Braunschweiger Herzog am 8. November 1918 ab
(“Novemberrevolution”). Nach der Weimarer Verfassung von 1919 erhält Braunschweig den Status eines Landes, und am 6. Januar 1922 wird die Verfassung des „Freistaates Braunschweig"
verabschiedet. Während der nationalsozialistischen Herrschaft untersteht
Braunschweig einem Reichsstatthalter und verliert damit seine Eigenständigkeit. Nach dem Sieg über Nazi-Deutschland wird Preußen
aufgelöst und es entsteht der Gebietsrat Niedersachsen, in dem die (bis dahin) preußische Provinz Hannover und die Länder
Oldenburg, Braunschweig, Schaumburg-Lippe und Bremen zusammengefasst werden. Hinrich Kopf, Hannovers Oberbürgermeister,
hat entscheidenden Anteil daran, dass am 11. November 1946 das Land Niedersachsen gegründet wird. So entsteht nach 800 Jahren
des Getrenntseins ein Gebiet, das ungefähr dem Herzogtum Sachsen entspricht, so wie es Heinrich der Löwe einst regiert hat.
Mit der politisch gewollten Auflösung des Regierungsbezirks Braunschweig geht am 1. Januar 2005 auch die verwaltungsmäßige
Einheit des Braunschweiger Landes zu Ende, die, wie eingangs beschrieben, seit 1235 bestand. Schon im darauf folgenden Jahr wird offen darüber gesprochen, dass diese Entscheidung zu Problemen geführt hat:
Vernichtendes Zeugnis für die Verwaltungsreform (Auszüge aus Michael Ahlers, Braunschweiger ZDocheitung vom 18.05.2006)
Doch wurde die Tradition des Braunschweiger Landes in einigen Institutionen gewahrt, die an dessen Tradition anknüpfen - so die Braunschweigische Landeskirche, die Stiftung Braunschweiger Kulturbesitz und das Braunschweigische Landesmuseum.
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Braunschweiger Schloss: Anfang, Ende und Neuanfang (?):
Das Braunschweiger Schloss wurde von Carl Theodor Ottmer
errichtet, nachdem 1830 der “Graue Hof” in Flammen aufgegangen war. Als Herzog Wilhelm 1831 die Regierungsgeschäfte übernahm, übertrug er dem Baumeister Peter Joseph Krahe die Neuplanung der
Schlossanlage. Diese sollte ursprünglich den heutigen Theater- und Schlosspark im Westen mit einbeziehen. Im Osten sollte der Nussberg die natürliche Grenze sein. Im Norden sollte der Park bis zur heutigen
Karlstraße gehen und im Süden bis zur Ebertallee. Nach diesem grandiosen Plan hätte der Schlosspark Sancoussi übertroffen.
Der 1837 vollendete prunkvolle Ottmerbau des Schlosses selbst
verkörperte die Jahrhunderte währende braunschweigischer Selbstständigkeit:
Der Portikus vereinte die höchste bauliche Würdesymbole der Architekturgeschichte: die griechische Tempelfront, darunter das
römische Triumphtor, und über allem als baulicher Mitteltrakt eine Attika als Sockel für die Quadriga.
Der eindrucksvolle Westflügel zur Stadt blieb zunächst ohne weiteren Figurenschmuck. In seinen ersten Plänen hatte Ottmer zwei Varianten für die Wagenlenkerfigur einer Quadriga vorgesehen: die Siegesgöttin Victoria oder den Musengott Apollon. Beide Entwürfe sollten mit ihrer allegorischen Darstellung die weise und den Musen zugewandte Staatsleitung symbolisieren. Nach Ottmers Tod 1843 war es Carl Schiller, der bekannte Braunschweiger Privatgelehrte, der an dem Projekt einer Quadriga festhielt. 1855 wurde der Dresdner Bildhauer Ernst Rietschel (Braunschweiger Lessing-Standbild von 1853) mit dem Entwurf beauftragt. In der Diskussion mit Schiller wurde aus der ursprünglich als Lenkerin vorgesehenen Gottheit Victoria die Braunschweigische Landespatronin „Brunonia". Aufgrund seiner großen künstlerischen und handwerklichen Fähigkeiten wurde Georg Howaldt mit der Herstellung betraut.
Zwei Triumphsäulen mit Figurenschmuck, römischen Vorbildern nachempfunden und ursprünglich mit Gottheiten bekrönt, flankierten den Trakt. Mit seinen
sieben Achsen war der Portikus ein eigenständiger Baukörper.
Es folgten die großen Repräsentationssäle des braunschweigischen Herzogtums: Vorn der große Ballsaal mit heiteren ionischen Säulen, dahinter der
Rundsaal mit der Haupttreppe, die Rotunde in festlicher korinthischer Säulenordnung, beide über zwei Stockwerke ausgebaut, und darunter im Erdgeschoss ein
großes Vestibül, aus zwei Reihen dorischer Säulen. Durchschritt man diese Räume, so gelangte man in klassizistische Raumschöpfungen.
Auch dieser Bau fiel einem Feuer zum Opfer: Herzog Wilhelm hatte am 23. Februar 1865 zum Ball geladen, als gegen 30:30 in seinen eigenen
Appartments, Nordflügel 1. Etage, ein überhitzter Ofen einen Schwelbrand ausgelöste. Da man den Brand schnell unter Kontrolle wähnte, tanzte die Gesellschaft
ungestört weiter. Doch das Feuer entfachte von neuem und breitete sich in Windeseile aus. Die gesamte nordwestliche Schlosshälfte brannte aus, um 23:20
stürzte die erst im Vorjahr aufgestellte Quadriga 20 Meter tief durch den Ballsaal bis ins Vestibül des Mitteltraktes. Während die Untertanen den Bruder
Wilhelms, Carl II., durch Brandsetzung noch im Jahre 1830 selbst vertrieben hatten, bildeten sie diesmal eine Wasserkette von der Oker bis zum linken Schlossflügel. Sie werden jedoch von den "Herren Officieren, die vorwitzig das Feuer im herzoglichen Residenzschlosse zu löschen allein die Ehre haben
wollen, zurückgetrieben und die Wassereimer mittels Fußtritten umgeschüttet... Die Feuerturner...waren schon lange angelangt und hatten sogar
schon Schläuche gelegt, wurden aber gleichfalls auf Befehl zurückgewiesen. Als der Dachstuhl aber auch Feuer fing, wurden sie wieder zugelassen und
die Leute, die vorher freiwillig Wasser getragen hatten, per Polizeidiner zum Anfassen requirirt, weil sie sich jetzt aus Wuth über den verkannten Willen sträubten” (Julius Feise, 1865). Der untröstliche Herzog musste mit ansehen, wie zwei Drittel seines Schlosses zerstört wurden. Die Rekonstruktion
erfolgte 1866 bis 1868 unter dem Hofbaumeister Carl Wolff. Mit der feuerfesten Konstruktion des Daches wurde die Firma beauftragt, die mit dem Kölner
Domdach bis dato die größte Eisenkonstruktion überhaupt ausgeführt hatte (Cölner Maschinenbau-Actien Gesellschaft Bayenthal). 1889 bentwickelte der
damalige Stadtbaurat Ludwig Winter gigantische Pläne eines Schlossparks mit einem Schloss in der Nachbarschaft der Riddagshäuser Teiche. Eine Prachtstraße
sollte dieses Schloss über den Nussberg hinweg mit dem Burgplatz verbinden. Alles eine Nummer zu graoß, aber die Allee zwischen Theater und dem heutigen Stadtpark wurde tatsächlich realisiert.
Nach der Abdankung von Ernst-August wurde das Schloss zwischen dem 1. März und dem 17. April 1919 zum Mittelpunkt einer kurzlebigen
Braunschweiger Räterepublik; in dieser Zeit wurde auch der Hofstaat aufgelöst. In die freiwerdenden Räume im ersten Obergeschoss zog das Schlossmuseum
ein, wobei der Große Ballsaal und die angrenzenden Säle zum Theaterraum des Kleinen Hauses des Staatstheaters gemacht wurden. Der Nordflügel nahm im
Erdgeschoss die Öffentliche Bücherei auf, das zweite Obergeschoss das Naturhistorische Museum, das Historische Seminar der Technischen Hochschule und die
Luftverkehrsstelle des Landes. Somit befriedigte die ehemalige herzogliche Residenz in den zwanziger Jahren den steigenden Platzbedarf als intensiv genutztes
"republikanisches Schloss". Am 29.6.1935 wurde der Bau unter dem Reichsführer Heinrich Himmler zur SS-Junkerschule, bevor es am 15. Oktober 1944
durch Bomben endgültig schwer beschädigt wurde und ausbrannte (Bild). 1960 wurde der Restbau nach einem spektakulären Ratsbeschluss aufgrund der
hauchdünnen SPD-Mehrheit abgerissen - für Braunschweig ein Stich ins Herz. Dabei ließ man beim Portikus, im Gegensatzt zu den anderen Teilen, Rücksicht
walten: er wurde vorsichtig zerlegt, nummeriert und in einer Grube am Madamenweg eingelagert. Herausragende Teile wie Reste von Figuren wurden auf dem
städtischen Bauhof an der Ludwigsstraße verwahrt, Säulenkapitelle bildeten den Rahmen eines Wasserbeckens im späteren Schlosspark. Der Rest wanderte auf
das Gelände des Kleingartenvereins Holzenkamp am Madamenweg, wo sie eine Grube mit 45 x 30 Metern füllen. Schicksalhaft erscheint, dass die meisten der in
Braunschweig reichlich vorhandenen NS-Buaten und Parteigebäude die Zeit bis heute überdauert haben, während das Schloss, ein einzigartiges Zeugnis spätklassizistischer Baukunst in Europa, gegen alle Vernunft weichen musste.
Ab 2006 wurde das Schloss im Zuge des Baus eines ECE-Einkaufszentrums “Schloss - Arkaden” weitestmöglich nachgebildet, wofür im März 2004 vier
Parzellen des Gartenvereins vorübergehend “auf den Kopf gestellt” wurden. Von den 64 zu rekonstruierenden Achsen des Gebäudes konnten ganze acht aus
dem Bestand rekonstruiert werden: der Portikus mit einer Höhe von 24 Meter, einer Länge von 30 Meter und einer Tiefe von 6 Meter. Erste Grabungen auf dem
Schlossgelände förderten Überreste der alten Barockgartenanlage zutage, darüber hinaus eine Reihe von Säulensockeln. Diese deutet man als Reste der
ursprünglich geplanten Kolonnaden, die sowohl den Schlossvorplatz als auch den Gartenbereich zieren sollten, die aber aus Kostengründen aufgegeben wurden.
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Seit Mai 2007 steht es nun wieder. Und seinen Spitznamen hat es auch sogleich erhalten: Das “VORHÄNGESCHLOSS”.
Vor dem Einkaufszentrum erstreckt es sich in 116 Metern Breite. An den Seitenflügeln ist es 60 Meter tief und inklusive Quadriga wird es 40 wird es Meter hoch
ssein - aber das ist eine andere Geschichte. Nostalgisch, wie wir nun mal sind, halten wir eine Bilderserie (eigene Fotos von 1960) bereit, einfach hier clicken. Diese zeigt den damaligen Zustand und die Abrissarbeiten. Die Serie schließt mit einer filigranen Steinmetzarbeit, die bei den
Ausgrabungen in sehr gutem Zustand zutage gefördert wurde. Bei Anklicken des jeweiligen Bildes folgt das nächste.
* Weblinks
aus dieser HP abgeleitete Seite(n) in Wikipedia: