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Kreis Wolfenbüttel (1900)Kreis Wolfenbüttel um 1900.
Von Groß Dahlum im Osten und Nordassel im Westen, von Stiddien im Norden bis Hessen im Süden reichte der Zuständigkeitsbereich der Kreisverwaltung am Kornmarkt 14 in Wolfenbüttel. Dazu kam die Exklave Papstorf.  Der 734 km2 große Kreis zerfiel seinerseits in die Amtsgerichtsbezirke Wolfenbüttel, Schöppenstedt, Salder und Harzburg (nicht gezeigt). Der Bezirk Schöppenstedt besticht durch eine Form, die dem italienischen Stiefel nachempfunden sein könnte: die Landgemeinde Hessen ragt nach Süden über das große Bruch hinaus, während Rocklum zur Provinz Sachsen gehörte

Die Geburtsstunde des

Landkreises Wolfenbüttel...

...folgte der “Neuen Landschaftsordnung” von 1832, die im vormaligen Herzogtum Braunschweig sechs Kreisdirektionen (Braunschweig, Wolfenbüttel, Helmstedt, Gandersheim, Holzminden, Blankenburg) schaffte. Diese Ordnung hat der Landkreis Wolfenbüttel über 110 Jahre als größter Landkreis des früheren Landes Braunschweig bis 1941 behalten, als die “Salzgitter-Verordnung” in Kraft trat, in der 20 Gemeinden abzutreten waren: die Hermann-Göring Werke” hatten eine neue Stadt, Salzgitter, auf dem Gebiet entstanden, das zuvor den Landkreisen Wolfenbüttel, Goslar und Marienburg/Hildesheim gehört hatte. Zum Ausgleich erhielt der Kreis 10 Gemeinden vom Landkreis Marienburg. Außerdem wurden die Gemeinden Hessen und Pabsdorf zum Landkreis Wernigerode und die Stadt Hornburg samt Isingerode und Roklum zu Wolfenbüttel geschlagen. Die südlich des großen Bruches gelegenen Orte Papstorf und Hessen gelangten in die russische Besatzungszone und der “große Graben” wurde auf viele Kilometer innerdeutsche Grenze. Am 30.5.1963 bildete sich die Gemeinde Süd-Elm mit dem Sitz in Schöppenstedt als erste Samtgemeinde im Verwaltungsbezirk Braunschweig.
         1971 sollte das Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Braunschweig/ Wolfenbüttel/ Helmstedt/ Peine/ Salzgitter zunächst nur eine Verbesserung der Gemeindestruktur bringen: die Gemeinden sollten zu Verwaltungseinheiten (Einheitsgemeinden oder Samtgemeinden) zusammengefasst werden, die möglichst mehr als 7000 Einwohner haben sollten. Auch wenn die Landesregierung die Auflösung des Landkreises Braunschweig vorschlug, da dieser nach Eingliederung zahlreicher Umlandgemeinden nicht mehr lebensfähig sein würde, sollte eine umfassende Kreisreform zunächst nicht eingeleitet werden. Ohne Vorwegnahme der endgültigen Regelung sollten neugegliederte Gemeinden aus Gebieten zweier Landkreise jeweils dem Landkreis zugeordnet werden, der die meisten Einwohner einbrachte.

    Nach diesem Grundsatz war für Schladen keineswegs die Lösung zu erwarten, welche die Fraktionen des Landkreises im Anhörungstermin gefordert hatten, denn in einer neugeschaffenen Samtgemeinde Schladen (mit Isingerode, Beuchte und Wehre), Gielde, Werlaburgdorf und Homburg überwog der Goslarer Anteil (vor der Gebietsreform hatten Schladen, Gielde, Beuchte, Wehre und Werlaburgdorf zum Kreis Goslar gehört, während Hornburg und Isingerode bereits Teil des Landkreises Wolfenbüttel waren). Hornburg und Isingerode propagierten die Bildung einer Samtgemeinde Börßum, der sich die Mitglieder der Samtgemeinde Oderwald sowie Klein- und Groß Flöthe anschließen sollten. Dies führte zu der Drohung, die bestehenden Gemeinden aufzulösen und eine Einheitsgemeinde Schladen zu gründen, in der Hornburg das Recht verloren hätte, die Bezeichnung “Stadt” weiterzuführen.  Die heftigen Diskussionen endeten damit, dass der Landtag sich entgegen ursprünglicher Absicht entschloss, einen Teil der umfassenden Kreisreform vorwegzunehmen.

    Die geplante Verabschiedung des Gesetzes zum 1. März 1974 machte im Januar des Jahres, praktisch  über Nacht, Verhandlungen über zwei Gebietsänderungsverträge erforderlich. Bei diesen Verhandlungen ging es um die Modalitäten der Eingliederung der kreisangehörigen Gemeinden Leiferde, Geitelde und Stiddien in die Stadt Braunschweig, ferner um die der kreisangehörigen Gemeinden Sauingen und Üfingen in die Stadt Salzgitter. Über allem standen die Probleme, die die Auflösung des Landkreises Braunschweig aufwarf. Wie erwartet, gestalteten sich die Verhandlungen mit dem Kreis Goslar wenig harmonisch. Zwar verursachte die Eingliederung der Goslarer Gemeinden Steinlah und Haverlah im Westen sowie Ohrums, Dorstadts, Heiningens, Groß und Klein Flöthes im Osten keine Spannungen; heftige Auseinandersetzungen aber gab es aber bis zuletzt wegen der Eingliederung der neuen Samtgemeinde Schladen. So konnten vor der Endabstimmung im Landtag keinerlei Regelungen zwischen den beiden rivalisierenden Kreisen vorbereitet  werden. Ergebnis der hektischen Verhandlungen war schließlich ein Gebietsänderungsvertrag, dem beide Kreistage zustimmten. Bei diesen Verhandlungen waren vor allem die vermögensrechtlichen Auseinandersetzungen um die Kreiseinrichtungen in Bad Harzburg strittig, das immer als Perle des Landkreises gegolten hatte.

So gelangte Schladen zum Landkreis Wolfenbüttel. Dieser Gewinn musste mit einem schwerwiegenden Verlust erkauft werden: Die Stadt Bad Harzburg wurde in den Landkreis Goslar eingegliedert. Leichter zu verkraften waren die Nichteingliederung der Gemeinden Vechelde, Wendeburg und Lehre, die den Landkreisen Peine und Helmstedt zugeordnet wurden. Der Landkreis Wolfenbüttel wurde, entgegen der ursprünglichen Planung nicht Rechtsnachfolger des aufgelösten Landkreises Braunschweig; diese Position wurde der kreisfreien Stadt Braunschweig übertragen.
        

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Wappen Schöppenstedt
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